Österreich: Das Ganze nochmal

Österreich darf bzw. muss nochmal: Am 1. Juli 2016 teilte Österreichs Verfassungsgerichtshof mit, dass die Entscheidungsrunde der Bundespräsidentenwahl von 22. Mai 2016 wiederholt werden muss. Noch mal zur Erinnerung: Am 22. Mai 2016 lagen gerade mal etwa 31.000 Stimmen bzw. 0,7 Prozentpunkte zwischen dem Gewinner Alexander Van der Bellen (formal unabhängig, von den Ösi-Grünen unterstützt) und seinem Kontrahenten Norbert Hofer von der FPÖ. Bei solch einem knappen Ergebnis musste es die FPÖ geradezu mit einer Wahlanfechtung probieren. Sie hat  ja nichts zu verlieren bei einer Wahlwiederholung: Entweder wird ihr Norbert Hofer halt nochmal nur zweiter Sieger, oder er wird Bundespräsident. Für eine Interimsperiode ab dem 9. Juli 2016  (am Tag zuvor läuft die Amtszeit des jetzigen Präsidenten Heinz Fischer aus) ist er es jetzt sogar, gemeinsam mit den beiden anderen Nationalratspräsidenten Doris Bures (SPÖ) und Karlheinz Kopf (ÖVP). Der Verfassungsgerichtshof sah zwar keinen konkreten Verdacht, dass am 22. Mai tatsächlich irgendwo manipuliert wurde. Aber es wurden an zahlreichen Orten diverse Regeln verletzt (teilweise mit Zustimmung oder Mitwirkung der durch die FPÖ entsandten Beisitzer in den Wahlvorständen!). Und die Anzahl der davon betroffenen Stimmen überstieg mit fast 78.000 deutlich die Zahl 31.000. Also das Ganze nochmal, und diesmal korrekt bitte!

Worum ging es denn konkret? Das österreichische Wahlgesetz sieht vor, Weiterlesen

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Was ist los in Polen, und wie wirkt sich das auf die EKR-Fraktion aus?

Was ist in Polen los? Wird dort gerade die Demokratie abgeschafft, oder ist alles nur Panikmache der liberalen und linken Wahlverlierer? Vor allem zwei Maßnahmen der allein regierenden Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) sehen unter Kritik: das neue Mediengesetz, wonach die Chefs der öffentlich-rechtlichen Sender künftig direkt von der Regierung ernannt oder abberufen werden, sowie eine Reform des Verfassungsgerichts, welche es diesem erschwert, rechtsverbindliche Entscheidungen zu treffen (Beschlüsse müssen künftig mit Zweidrittelmehrheit und unter Teilnahme von mindestens 13 der insgesamt 15 Verfassungsrichter getroffen werden). Die Bemerkung von Polens neuen Außenminister Witold Waszcykowski, dass Polen mit dem neuen Mediengesetz „lediglich den Staat von einigen Krankheiten heilen will, damit er wieder genesen kann“ trug nicht gerade zur Beschwichtigung bei. Polen droht jetzt die erstmalige Anwendung des sogenannte Rechtsstaatlichkeitsmechanismus der EU (mit Ausschluss vom Stimmrecht als Ultima Ratio), also etwas woran selbst Viktor Orbáns Ungarn bisher vorbeigeschrammt ist. Insbesondere CDU-Europaparlamentarier Elmar Brok hält Polen ohnehin für den schwereren Fall: Mit einem Machtpolitiker wie Orbán könne man immer reden (CDU, CSU und Orbáns FIDESZ-Partei gehören beide der Europäischen Volkspartei (EVP) und der zugehörigen Europaparlamentsfraktion an, also da findet Brok wohl auch tatsächlich Gelegenheit zum Reden). In Polen hingegen geht es auch um Ideologie und Religion.

Die in Polen allein regierende PiS ist neben den britischen Konservativen (Tories) eine der beiden dominierenden Parteien der Allianz der Europäischen Konservativen und Reformer (AECR) sowie der mit dieser Europapartei assoziierten Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR). Zu letzterer gehören auch die deutschen Parteien ALFA, AfD und Familienpartei (der AECR haben sich bisher nur die beiden ALFA-Abgeordneten Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty individuell angeschlossen). Aus den Reihen der deutschen Mitgliedsparteien der Europäischen Konservativen und Reformer sind bisher keine Reaktion zum Polen-Konflikt bekannt, und auch die britischen Konservativen hüllen sich bislang in Schweigen. Es muss ja auch erstmal nicht sein. Auf europäischer Ebene ist man ohnehin großzügiger in der Wahl seiner Partner (siehe CDU, CSU und Orbáns FIDESZ). Zudem können die ursprünglich 7 AfD-Vertreter der polnischen PiS wohl dankbar für die Aufnahme in die Fraktion sein (es ist zwar nicht bekannt, welche Partei wie gestimmt hat, aber Tory-Chef David Cameron stand der Aufnahme der AfD damals ablehnend gegenüber, weil er keinen Ärger mit Angela Merkel riskieren wollte). Aber zumindest für Bernd Lucke und ALFA ist es eben doch nicht so zweitrangig. Denn der wichtigste Punkt auf der Habenseite der neuen Partei ist die Tatsache, dass ALFA die drittstärkste Partei in der drittgrößten Fraktion des Europaparlaments bildet, zudem sitzen alle ihre Spitzenleute in ebenjener Fraktion Weiterlesen