Wenn Sachsen, Brandenburg & Thüringen ein Land wären …

Die 2019er Landtagswahlen in drei Ostländern sind nun geschafft. Und die AfD sorgte erwartungsgemäß für Rekorde. Die 27,5% in Sachsen waren das beste Ergebnis überhaupt, welches die AfD jemals irgendwo auf Landesebene erzielte. Dass die Sachsen noch etwas AfD-affiner sind als der Osten ohnehin schon, hat sich also bestätigt. Aber auch die Brandenburger und Thüringer Ergebnisse haben es in die Top 6 geschafft:

  1. Landtagswahl Sachsen 2019 27,5%
  2. Bundestagswahl Sachsen 2017 27,0%
  3. Europawahl 2019 Sachsen 25,3%
  4. Landtagswahl 2016 Sachsen-Anhalt 24,3%
  5. Landtagswahl 2019 Brandenburg 23,5%
  6. Landtagswahl 2019 Thüringen 23,4%

Der Jackpot – Platz 1 bei Landtagswahlen – wurde dann aber doch nicht geknackt. Denn dieses Alleinstellungsmerkmal für ihr Bundesland wollten viele Wähler dann doch nicht wirklich – und sie stärkten sicherheitshalber den Platzhirsch. Und weil dieser Platzhirsch in jedem Land ein anderer war, ergibt sich nun eine interessante Zahlenspielerei: Was, wenn man die drei Länder Sachsen, Brandenburg und Thüringen jetzt zusammenlegen würde? Dann Weiterlesen

OBM-Wahl in Görlitz 2019

Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz sollten vor allem die AfD-Gegner gut studieren.Denn es ist fraglich, ob man hier wirklich von einer erfolgreichen Verhinderung eines AfD-Oberbürgermeisters reden kann. Oder ob nicht in Wahrheit der hysterische Anti-AfD-Aktionismus, vor allem von Nicht-Görlitzern, dieses AfD-Rekordergebnis erst ermöglicht hat. Schauen wir uns die Zahlen genauer an

  • Sebastian Wippel (AfD, seit 2014 für diese im Landtag): Erster Wahlgang am 26.5.19: 9.710 Stimmen (36,4%). Zweiter Wahlgang am 16.6.19: 11.390 Stimmen (44,8%). Zuwachs:1.680 (17,3% mehr Stimmen als im ersten Wahlgang). Weiterlesen

Nach Europa- und Bremen-Wahl: eine AfD-Bestandsaufnahme

Zur Europawahl und zur Landtagswahl in Bremen, beide am 26. Mai 2019, hatte die AfD erstmals Gelegenheit, bestehende Mandate zu verteidigen. Und gleichzeitig hatte sie bei beiden Wahlen ihre letzten Makel auszubügeln: Nirgends wurde die AfD so sehr durch Austritte gebeutelt wie eben im Europaparlament und in der Bremischen Bürgerschaft. Zudem scheiterte die AfD 2015 letztmalig in ihrer Geschichte an einer Sperrklausel – nur 4,9% in Bremerhaven, die dort errungenen AfD-Stimmen blieben damit unberücksichtigt bei der Bestimmung der Sitzverteilung in der Bremischen Bürgerschaft, und die AfD verfehlte den Einzug in Fraktionsstärke. Diesmal gelang es übrigens: IBremerhaven 9,1% (fast eine Verdoppelung ihres Anteils) und 1 Sitz, in der Stadt Bremen 5,8% (sehr knappe Steigerung um nur +0,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015),  es blieb bei 4 Sitzen. Macht zusammen 5 Sitze und damit Fraktionsstärke. Der Konkurrent Bürger in Wut konnte sich in Bremerhaven ebenfalls von 6,5% auf 7,4% steigern und damit das Mandat von Jan Timke verteidigen (in der Stadt Bremen blieben die BIW wie auch bisher schon chancenlos). 

An dieser Stelle eine Bestandsaufnahme: Wie viele Mandate hat die Alternative für Deutschland durch Wahlen erhalten, und wie viele davon gingen durch Austritte oder Ausschlüsse verloren? Wenn man den 25.Mai 2019 (also den Tag vor der Europa- und Bremen-Wahl, und damit alle Mandate aus dem jeweiligen ersten erfolgreichen Antritt) als Stichtag nimmt, sieht es wie folgt aus: Weiterlesen

Die Bertelsmann-Milieu-Studie – erklärt sie das Abschneiden der AfD in den einzelnen Ländern?


Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Studie unter dem Titel „Populäre Wahlen: Mobilisierung und Gegenmobilisierung der sozialen Milieus bei der Bundestagswahl 2017“ (Autoren Robert Vehrkamp und Klaudia Wegschaider. PDF 7MB) herausgebracht, deren Ergebnisse sich wunderbar benutzen lassen, um zu untersuchen, warum die AfD in manchen Bundesländern besser abschnitt als in anderen. Dazu weiter unten. Aber auch sonst ist die Studie sehr lesenswert. Das Resultat wird in obiger „Kartoffelgrafik“ zusammengefasst: Deutschlands Wahlberechtigte wurden in 10 sogenannte Sinus-Milieus eingeteilt, wobei jedes Milieu zwischen 7 und 14 Prozent der Wahlberechtigten umfasst. Die Einteilung erfolgt dabei einerseits anhand der tatsächlichen sozialen Situation, zum anderen auf einer Selbsteinschätzung entlang der Konservativ-Progressiv-Skala. Und nun wurde ermittelt, wie die Bundestags-Parteien innerhalb der einzelnen Milieus abgeschnitten haben. Im Ergebnis wurde dann eine Diagonale quer durch die Kartoffelgrafik gezogen, Weiterlesen

AfD-Wahlergebnisse im Ländervergleich

Mehr als eine Woche ist seit den Bundestagswahlen 2017 vergangen – Zeit für einen Ländervergleich der Ergebnisse der Alternative für Deutschland. Die erste Abbildung zeigt die AfD-Stimmanteile bei den bisherigen vier „großen“ Wahlen – die Bundestagswahl 2013, die Europawahl 2014, die Landtagswahl im jeweiligen Land und schließlich die Bundestagswahl 2017.

Die zweite Abbildung zeigt die prozentuale Abweichung der Landesergebnisse vom Bundesergebnis der jeweiligen Wahl (im Fall der Landtagswahlen ist die Abweichung vom Durchschnitts-AfD-Landtagswahlergebnis von 10,0% gezeigt, siehe unten).

Die Landtagswahlen bedürfen offensichtlich einer gesonderten Betrachtung, da hier die zeitliche Komponente hinzukommt (das Datum der jeweiligen Wahl ist unter dem Landesnamen angegeben. In Bayern trat die AfD noch nicht zu Landtagswahlen an). Insgesamt ergibt sich folgendes Bild: Weiterlesen

Frauke Petry geht – wer geht mit?

Update 20.10.17: Seit der Bundestagswahl 2 Austritte im Bundestag (Petry+1), 1 Austritt im Europaparlament (Pretzell), 5 Austritte in Sachsen (Petry+4), 3 Austritte in NRW (Pretzell+2), 4 Austritte in Mecklenburg-Vorpommern (nach e.A. ohne Beziehung zum P&P-Abgang)

Das es kommen würde, war wohl keine Überraschung. Aber dass es so schnell geht, dass Frauke Petry schon hinwirft, bevor sich die neue Bundestagsfraktion überhaupt konstituiert, ist schon ein starkes Stück. „Ich werde auf andere Weise aktiv dafür sorgen, dass wir spätestens 2021 die tatsächliche gesellschaftliche Wende einleiten können.“ teilte sie auf Facebook mit. Nun ja … Sowohl Frauke Petry als auch ihr Ehemann Marcus Pretzell halten nun jeweils zwei Mandate (inklusive der zugehörigen Diäten, hier hat n-tv berechnet, wie viel es ist): Petry im Bundestag und im Sächsischen Landtag, Pretzell im Europaparlament und im Landtag von NRW. Wie viel Zeit sie ihren parlamentarischen Verpflichtungen widmen werden (auch mit Blick auf den im Mai 2017 geborenen und von den AfD-Plakaten mittlerweile sattsam bekannten gemeinsamen Sohn) sei dahingestellt, bislang gibt es jedenfalls keine Anzeichen, dass sie eins ihrer Mandate niederlegen wollen (wären sie in der AfD geblieben, hätte die Partei das schon von ihnen erwartet). Marcus Pretzell ist schon seit der Landtagswahl in NRW am 14. Mai 2017 Doppel-Mandatsträger. Die Niederlegung seines Sitzes im Europaparlament konnte er jedoch unwidersprochen bis zur Bundestagswahl aufschieben mit dem Argument, dass es sich nicht lohnt, wenn sein turnusmäßiger Nachrücker Marc Jongen ins Europaparlament ein- und ein paar Monate später direkt wieder auszieht (Jongen wollte seinerseits nicht vorzeitig auf sein Nachrückrecht verzichten, da er ja nicht 100%ig sicher sein konnte, ob das mit dem Bundestagseinzug klappt. Hat es aber).

An dieser Stelle eine Bestandsaufnahme (welche bei Bedarf in den nächsten Tagen korrigiert wird): Wie viele Mandate hat die Alternative für Deutschland durch Wahlen erhalten, und wo gab es (egal ob bei früherer Gelegenheit oder jetzt) einen „Fallout“? Stand 26.9.17, Änderungen und Irrtümer vorbehalten:

  • Bundestag: Gewählt: 94. Jetzt: 92. Frauke Petry trat der AfD-Fraktion von vornherein nicht bei und verließ die AfD. Mario Mieruch, der als Vertrauter von Petry & Pretzell gilt, verließ die Fraktion am 4.10.17. Er begründete dies insbesondere mit den Wahlen der vier Parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, bei denen Höcke-Anhänger Stephan Brandner nur knapp unterlag.
  • Europaparlament: Gewählt: 7. Jetzt: 1 Weiterlesen

1 Jahr BIG „Homosexuelle in der AfD“

AfD Kompakt, die (als PDF abrufbare) Zeitschrift der Alterative für Deutschland, informierte in ihrer Ausgabe 17/15 (17. November 2015) über den ersten Geburtstag der im Oktober 2014 gegründeten Bundesinteressengemeinschaft (BIG) „Homosexuelle in der AfD“, der ersten anerkannten BIG der AfD. Homosexuelle und AfD, da war doch neulich was – ja richtig, die Kleine Anfrage der thüringischen AfD-Landtagsabgeordneten Corinna Herold vom 1. September 2015, wie viele Homosexuelle denn so in Thüringen leben. In der Tat eine interessante Frage. Eine Frage, die weitere Fragen aufwarf. Zum Beispiel, warum hat sie die Frage gestellt? Hier beantwortet sie die Frage selbst, aber dazu mehr weiter unten.

Anlässlich der Gründung der BIG „Homosexuelle in der AfD“ im Oktober 2014 musste die Rosa Nostra konstatieren „dass es auch schwule Männer gibt, die nicht über die gute alte Zeit hinwegkommen, als Schubert cooler war als Mykki Blanco, und man sich nicht auf dem CSD entblößt hat“ (Vice 13.10.2014). OK, es war nicht der erste Schocker für diejenigen, die glauben dass nur ein links-grüner Schwuler ein richtiger Schwuler ist (für Lesben gilt entsprechendes). Da waren jene 600 Unterstützer-Unterschriften für den Wahlantritt zur Bundestagswahl, welche die AfD Berlin ausgerechnet auf dem lesbisch-schwulen Motzstraßenfest am 15./16.6.2013 feierte (und damit auch manchen AfDler überforderte). Und im Mai 2014 wurde dann ein Arbeitskreis „Homosexuelle in der AfD“ gegründet (aus dem die jetzige BIG hervorging), die Rosa Nostra deckte zu ihrer eigenen Beruhigung aber schnell auf dass dieser AK zum Teil von Heteros geführt wurde.

Bundessprecher der BIG „Homosexuelle in der AfD“ sind Mirko Welsch, Bezirksrat in Saarbrücken, und Alexander Tassis MdBB: Eine der Ironien wie sie die AfD immer wieder mal schreibt, ist die Tatsache dass ausgerechnet der „schwule Grieche“ als einziger von ursprünglich vier Bremer AfD-Bürgerschaftsabgeordneten der Partei treu blieb Weiterlesen