We love Cologne

Am 1. April 2017 hat die AfD NRW wohl Freund und Feind gleichermaßen überrascht (und nicht jeder hat es gleich verstanden): Sie teilte mit dass die Bundesgeschäftsstelle der AfD nun das offizielle Motto des Bundesparteitags am 22. und 23. April 2017 in Köln bekanntgegeben habe: „We love Cologne“. Das allein erwische schon manche Leute auf dem falschen Fuß. Ein englischsprachiges Motto??? Roger Beckamp (Fraktionschef der AfD im Kölner Stadtrat und die Nummer 2 auf der Landtags-Wahlliste)  setzte dann auch gleich noch einen drauf und fungierte als Kopf einer innerparteilichen Opposition, welche stattdessen lieber das Motto „Wir lieben Köln“ hätte. Der eigentliche Gag (der vielen noch gar nicht auffiel) ist aber, dass auf dem zugehörigen Plakat das Wörtchen „love“ einfach durch den AfD-Pfeil transkribiert wurde. Und ja, man kann darin eine stilisierte Kombi aus l und v erkennen wollen, aber auch etwas anderes  … Weiterlesen

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Eurovision Song Contest 2016: Der politische Sieg der Ukraine über Russland

War das Ergebnis des 61. Eurovision Song Contest, dessen Finale am 14. Mai 2016 in Stockholm stattfand, eine politische Entscheidung? Der Verdacht kommt sicher nicht zum ersten Mal, diesmal stellte sich die Frage aber aus zwei Gründen stärker als bisher: Zum einen kann man über den ukrainischen Siegerbeitrag aus musikalischer Sicht durchaus streiten; wenn er aus einem anderen Land gekommen wäre, hätte er vielleicht nicht gewonnen.. Und zum anderen wurden diesmal erstmals die Stimmen der nationalen Jurys und der Zuschauer (Televoting) getrennt voneinander verkündet, womit die Diskrepanzen zwischen den Geschmäckern von Jurys und Publikum direkt live on stage deutlich wurden (nachlesen konnte man die entsprechenden Zahlen aber auch schon bei vergangenen Wettbewerben). Und da stand dort eben Russlands Sergei Lasarew, welcher sich nach Eingang aller Jury-Voten nur auf Platz 5 wiederfand, als Letzter noch oben, bekam seine Punktzahl als Publikumsliebling verkündet – und es reichte eben dann in der Summe nur für Platz 3. Russland, vom Publikum geliebt, von den Jurys um den verdienten Sieg zufrieden betrogen? Nun, anti-russische Verschwörungstheorien muss man hier nicht unbedingt bemühen. Viele Jury-Mitglieder wollten sich nicht durch die (zweifellos beeindruckende) Interaktion Lasarews mit diversen Computeranimationen völlig blenden lassen, sondern bei ihrer Entscheidung stärker auf das konzentrieren worum es in dem Wettbewerb dem Namen nach geht, den Gesang. Und was den betrifft, hätte Jury-Favoritin Dami Im (Australien) den Sieg durchaus verdient gehabt (nach den bis 2015 gültigen Regeln hätte sie im Übrigen gewonnen, siehe unten).

Aber hat die Ukraine den Sieg aus musikalischer Sicht verdient? Der teils englische, teils krimtatarische Text des Lieds 1944 von Jamala war natürlich nicht als Partykracher angelegt: er thematisierte die Deportation der Krimtataren. Diese wurden nach der Rückeroberung der Krim der Kollaboration mit Hitlerdeutschland bezichtigt und nach Zentralasien umgesiedelt, wobei bis zur Hälfte der Deportierten unterwegs umkam. Erst ab 1989 durften sie auf die Krim zurückkehren, und 1992 wurde Krimtatarisch zur dritten offiziellen Amtssprache der Krim (neben Russisch und Ukrainisch). Ob die musikalische Umsetzung gelungen ist, oder ob das Lied zur einzigen Schreiorgie ausartete, darüber lässt sich streiten. Interessant ist auch der Vergleich mit früheren Versuchen, schwere Themen auf die ESC-Bühne zu bringen. Da waren das armenische Lied Face The Shadow (16. Platz in Wien 2015. Anlass: 100. Jahrestag des Armenier-Genozids) sowie die aus dem Kosovo stammende Albanerin Rona Nishliu (5. Platz in Baku 2012. Kein bestimmtes politisches Thema). Auf jeden Fall gelang es Jamala nachhaltig, das Thema in Erinnerung zu bringen. Und auch wenn es nicht ausgesprochen wurde, war der Zeitpunkt natürlich bewusst gewählt: Momentan sehen sich viele Krimtataren ja wieder als Opfer einer russischen Aggression, bzw. werden der Kollaboration mit dem Feind bezichtigt (etwa der Beteiligung an der Sabotage der Stromleitungen von der Ukraine zur Krim). Die Betätigung des pro-ukrainischen Medschlis des Krimtatarischen Volkes wurde nach der russischen Annexion verboten. Es besteht jedoch auch eine pro-russische krimtatarische Partei.

Von wo erhielt die Ukraine nun aber ihre Punkte? Weiterlesen

Xavier Naidoo, Empire Allemand, 0 points

19. November 2015: Xavier Naidoo tritt beim Eurovision Song Contest (ESC) 2016 an. Weil er ein Ausnahmekünstler, der seit 20 Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben habe, sei er direkt nominiert worden (Zitat ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber). Ganz ohne Vorentscheid. 21. November 2015: Kommando zurück.

Nun, rein musikalisch war die Nominierung Naidoos eine fragwürdige Entscheidung, denn nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte sind seine oben genannten Qualifikationen alles andere als ein Garant für hohe Punktzahlen. Die Musik von Xavier Naidoo passt wirklich zu vielen Anlässen, aber zum ESC? Und der Verzicht auf den Vorentscheid, nun ja, es ist zwar richtig dass der letzte Vorentscheid im Debakel endete, weil den Sieger der ESC nicht wirklich gekümmert hat, und die arme Zweitplatzierte dann eine Nullnummer hinlegte. Aber auch Expertenjurys haben nicht unbedingt die besseren Händchen (ein Blick in die Statistik gibt es am Ende des Beitrags).

Allerdings, es waren weder Bedenken hinsichtlich der musikalischen Erfolgsaussichten noch hinsichtlich der fehlenden Zuschauer-Einbeziehung, welche letztendlich zur Rücknahme der Nominierung Naidoos 2 Tage später führten. Sondern es ging natürlich um Politik. Und hier ist es wohl fair zu sagen, dass Weiterlesen

Hallo Erde hier ist ALFA

Falls die neugegründete Lucke-Partei ALFA noch keine Parteihymne hat, kann sie ja ggf. auf dieses Lied von 1978 der DDR-Rockband Berluc zurückgreifen. Es war dem Raumflug Sigmund Jähns gewidmet und wurde zum ersten Hit von Berluc. Der Titel belegte 7mal den ersten Platz der Radio-DDR-Tip-Parade und 4mal den ersten Platz der Tip-Disko von Stimme der DDR, und endete in den DDR-Jahrescharts 1978 auf Platz 7. Berluc entwickelten sich später in Richtung Hard Rock und waren als Rocker von der Küste vor allem in ihrer Wahlheimat Rostock und unter den Anhängern von Hansa Rostock populär.

Hier der Text von Hallo Erde hier ist Alpha (den man je nachdem ob man eher ALFA oder der AfD nahe steht, so oder so interpretieren kann):

Hallo Erde hier ist Alpha, wir grüßen dich Planet
Grüße von der Reise, die zu den Sternen geht
Wir fliegen aus dem Schoß der Erde, in die Unendlichkeit
Alpha ruft die Erde

Wird uns noch eine Sonne wärmen, vor uns der neue Stern
Schon sind wir von der Erde, Lichtjahre fern
Wir fliegen durch das Universum, dem Horizonte zu
Alpha ruft die Erde

Hallo Erde hier ist Alpha, vor uns liegt Proxymed
Weit in die Galaxis, leuchtet der Planet
Seht durch alle Meere, bricht sein heller Schein
Alpha ruft die Erde

Lied des Tages: Talkin ‚bout a Revolution

Irgendwie passt dieses Lied zum griechischen Wahlergebnis und den Folgen für Europa: Talkin‘ ‚bout a Revolution von Tracy Chapman (1988). Vor allem dieses „Don’t you know, you better run, run, run, run, run …“

Hier der Text:

Dont you know, theyre talkin ‚bout a revolution
It sounds like a whisper
Dont you know, theyre talkin ‚bout a revolution
It sounds like a whisper Weiterlesen