Unterwerfung

Am 6. Juni 2018 zeigte Das Erste die Eigenproduktion „Unterwerfung“ (hier in der Mediathek abrufbar) nach dem gleichnamigen Roman von Michel Houellebecq. Der Roman sorgte im Jahr 2015 für einige Furore. Auch weil die Titelseite der Ausgabe von Charlie Hebdo, die am Tag des Anschlags auf das Satiremagazin erschien, sich direkt auf Houellebecq und seinen Roman bezog (der genau an diesem Tag erstmals erschien). Der Plot: 2022 gewinnt ein Muslim die französische Präsidentschaftswahl, und danach ändert sich so einiges in Frankreich und Europa im Allgemeinen und im Leben des Protagonisten François im Besonderen. Wobei praktisch alle handelnden Personen des Romans ihre Vorteile aus der Situation zu ziehen scheinen. Sie gehören allerdings auch alle einem sehr exklusiven Kreis überbezahlter Geisteswissenschaftler an. Das gewöhnliche französische Volk spielt im Roman eher keine Rolle.

Und im Film entsprechend auch nicht. Wer hier einen Blockbuster mit Mord und Totschlag erwartet hätte, dürfte enttäuscht sein (auch wenn es ein paar Tote gab). Der Film beruhte nicht direkt auf dem Roman, Weiterlesen

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Österreich: das Debakel der großen Volksparteien

Über die Einstufung der Landtagswahlen am 13.3.2016 als Schockwahl können insbesondere die traditionellen beiden großen Parteien Österreichs, die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) und die Österreichische Volkspartei (ÖVP), wohl nur müde lächeln: Bei der ersten Runde der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten am 24. April 2016 wurden ihre Kandidaten mit 11,3 bzw. 11,1% gleich mal auf Platz 4 und 5 degradiert (hätten sie zusammengelegt, wäre es knapp Platz 2 geworden). Die Stichwahl am 22. Mai 2016 bestreiten nun der „Rechte“ Norbert Hofer von der FPÖ (35,1%) und der formal unabhängige und von den Ösi-Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen (21,3%). Die Dominanz Hofers war dabei fast total, wenn man sich die Ergebnisse auf Gemeindeebene anschaut. Nur ganz im Westen (Vorarlberg und der äußerste Westen Tirols) mischen sich dann doch häufiger andersfarbige Flecken ins FPÖ-Blau. Van der Bellen lag allerdings in der Hauptstadt Wien sowie in Graz und Innsbruck (zweit- und sechstgrößte Stadt Österreichs) und in einigen kleineren Städten und Gemeinden vorn. Im deutschen Zollanschlussgebiet Mittelberg (Kleinwalsertal) übrigens auch – dies zu Beruhigung der hyperventilierenden und gute Ratschläge erteilenden deutschen Politiker (Jungholz, die andere von Bayern umgebene österreichische Zollanschluss-Gemeinde, ist eine der wenigen verbliebenen ÖVP-Hochburgen).

Alexander Van der Bellen hat nun natürlich sehr gute Chancen, die Stichwahl am 22. Mai 2016 zu gewinnen. Denn ein Großteil der Nicht-Hofer-Wähler würde wohl egal wem die Stimme geben, nur damit die FPÖ nicht den Posten bekommt. Wobei die Ablehnung der FPÖ nicht so stark ist wie etwa die der AfD bei den deutschen Etablierten: Immerhin hat die ÖVP ja bereits mit der FPÖ koaliert, und auch die mit 18,9% drittplatzierte unabhängige Kandidatin Irmgard Griss empfand die durch diese Koalition angegangenen Reformen durchaus als positiv. Also das Ergebnis ist offen. Trotzdem ist es eine interessante Wahlarithmetik: nur geringe Stimmanteile (hier 21,3% für Van der Bellen) im ersten Wahlgang und nur geringe Differenzen im Stimmanteil (Van der Bellen lag 2,4 Prozentpunkte vor Irmgard Griss) können darüber entscheiden wer künftig das Kartell der „Guten“ dominieren darf. Eine ähnliche Konstellation liegt übrigens dem (punktuell sicher übertriebenen) Roman Unterwerfung von Michel Houellebecq zugrunde: 22,3% im ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen 2022 genügen einem gewissen Ben Abbès, um Frankreich in eine islamische Republik zu verwandeln Weiterlesen