Zinsen und Vertrauen im Osmanischen Reich

Christen und Juden zahlten in Istanbul im 17. und 18. Jahrhundert etwa 2 Prozentpunkte weniger Zinsen für Kredite als Muslime. Dieses Ergebnis einer Analyse der Akten verschiedener Istanbuler Gerichtshöfe für den Zeitraum 1602-1799 wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit von Timur Kuran und Jared Rubin im März 2016 publiziert. Konkret ging es dabei um Verträge zwischen natürlichen Personen (juristische Personen kennt das islamische Recht nicht), welche vor Gericht registriert wurden, damit der Gläubiger später einen Beweis hatte. Dabei kam Folgendes heraus: Muslime, welche sich bei einem Glaubensbruder Geld liehen, zahlten durchschnittlich etwa 14% Nominalzins (entsprach im Durchschnitt 20% Realzins). Nicht-Muslime hingegen bekamen schon für 12% Nominalzins ähnliche Kredite von muslimischen Geldverleihern eingeräumt. Aber nicht nur bei der Religion gab es Unterschiede, sondern auch beim Geschlecht: Waren beide Vertragspartner männlich, lagen die Zinsen durchschnittlich bei 14% Nominalzins. Frauen hingegen wurden von männlichen Geldverleihern schon für 12% Nominalzins bedient.

Auf den ersten Blick sieht dies ganz toll aus für Christen, Juden und Frauen. Auf den zweiten Blick wirft es jedoch ein Schlaglicht auf die Beziehungen zwischen islamischem Recht und Ökonomie, wie auch in diesem Artikel von Timur Karun, einem der beiden Studien-Autoren, auf qantara.de gut erklärt wird. Oft wird ja behauptet, Weiterlesen

ALFA vs AfD im Wahl-O-Mat Berlin (in MeckPomm leider nicht)

Die nächsten Landtagswahlen werfen ihre Schatten voraus, auch der Wahl-O-Mat ist wieder da. Leider nur in Berlin. Denn in Mecklenburg-Vorpommern, wo am 4. September 2016 gewählt wird, boykottierten SPD und CDU den Wahl-O-Mat, weil dieser „zu sehr vereinfache“. Wie die ZEIT vom 3. August 2016 feststellt, hindert dies die SPD aber nicht daran, inhaltsleere Plakate mit dem Konterfei von Ministerpräsident Erwin Sellering und dem Slogan „SPD – gemeinsam auf Kurs“ aufzuhängen. Und auch der Koalitionspartner CDU dürfte wohl eher nicht sein komplettes Wahlprogramm auf die Plakate drucken. Es hat wohl mehr mit der Angst vor AfD und NPD zu tun. Die AfD hat ja durchaus alle Chancen, in MeckPomm ihr Rekordergebnis von Sachsen-Anhalt vom 13. März 2016 (24,3%, zweitstärkste Partei) noch einmal zu überbieten und damit eine Fortsetzung der SPD-CDU-Koalition rechnerisch unmöglich zu machen (der absolute Albtraum wäre wohl eine rechnerische Mehrheit von AfD und Linken). Für die NPD wiederum ist der Schweriner Landtag (2011 6,0%) ihre einzige verbliebene Bastion und damit wohl auch ihre Haupt-Einnahmequelle. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die AfD die NPD dort auch rauskegelt (wie schon in Sachsen 2014), aber sie dürfte auch diesmal nicht mit Dankschreiben der Bündnisse gegen Rechts überhäuft werden.

In Berlin, wo zwei Wochen später am 18. September gewählt wird, sehen die SPD um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und ihr Koalitionspartner CDU die Dinge offenbar gelassener. Hier gibt es also den Wahl-O-Mat mit 38 Fragen, welche die an der Wahl teilnehmenden Parteien mit Ja, Nein und Unentschieden beantwortet haben. Die Fragen wurden so gewählt, dass zum einen alle für die jeweilige Wahl relevanten Themen abgedeckt sind, sich andererseits aber auch für jede Partei eine einzigartige Antwort-Kombination ergibt. Und der Nutzer der Wahl-O-Mat-Webseite kann nun diese Fragen selbst durchklicken und für sich beantworten, und dann am Ende vergleichen, mit welcher Partei die eigene Meinung am ehesten übereinstimmt (da einige Fragen eher Randthemen betreffen, hat der Nutzer die Möglichkeit, bestimmte Fragen höher oder niedriger zu gewichten). Wie schon zu den Landtagswahlen am 13. März 2016 ist dies auch wieder eine Gelegenheit zum Direktvergleich der Alternative für Deutschland mit ihrer Abspaltung ALFA: Wo stimmen sie überein, wo gehen sie inhaltlich auseinander?

Für die Abgeordnetenhauswahlen am 13. März 2016 ergibt sich beim Direktvergleich ALFA-AfD folgendes Bild Weiterlesen

ALFA vs AfD im Wahl-O-Mat

Die Landtagswahlen am 13. März 2016 in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt rücken näher. Und auch der Wahl-O-Mat ist wieder da. Die teilnehmenden Parteien beantworteten 38 Fragen entweder mit Ja, Nein oder Unentschieden. Und der Nutzer der Wahl-O-Mat-Webseite kann nun genau diese Fragen für sich beantworten, und dann vergleichen, mit welcher Partei die eigene Meinung am ehesten übereinstimmt. Insbesondere kann man damit auch testen, ob man inhaltlich eher zur Alternative für Deutschland oder zu ihrer Abspaltung ALFA passt (für letztere ist es Wahl-O-Mat-Premiere). Bzw allgemein schauen, wo beide Parteien inhaltlich auseinander gehen. Und darum solle es in diesem Beitrag gehen.

Die 38 Fragen wurden so gewählt dass zum einen alle für die jeweilige Wahl relevanten Themen abgedeckt sind, sich andererseits aber möglichst für jede Partei eine einzigartige Kombination aus Ja, Nein und Unentschieden ergibt. Damit betreffen einige Fragen dann auch eher Randthemen, welche ausgewählten Parten wichtig sind, anderen Parten oder dem Wähler hingegen eher nicht (der Wahl-O-mat-Nutzer hat am Ende de Möglichkeit, bestimmte Fragen höher zu gewichten). Manche Fragen sind identisch für alle Bundesländer, andere länderspezifisch (die Antworten und Begründungen, welche die jeweiligen Partei-Landesverbände gegeben haben, sind aber individuell). Es ist in jedem Fall auch hilfreich, die von den Parteien gegebenen Begründungen zu lesen, denn oft wir dort ein scheinbar klares Ja oder Nein wieder relativiert.

Für die Landtagswahlen am 13. März 2016 ergibt sich beim Direktvergleich ALFA-AfD folgendes Bild:

  • Völlig konträre Antworten (die einen Ja, die anderen Nein): 9 (Baden-Württemberg), 8 (Rheinland-Pfalz), 11 (Sachsen-Anhalt).
  • Übereinstimmung (beide Ja, Nein oder Unentschieden): 26 (Baden-Württemberg), 24 (Rheinland-Pfalz), 14 (Sachsen-Anhalt).
  • AfD Ja oder Nein, ALFA Unentschieden: 1 (Baden-Württemberg), 4 (Rheinland-Pfalz), 5 (Sachsen-Anhalt).
  • ALFA Ja oder Nein, AfD Unentschieden: 2 (Baden-Württemberg), 2 (Rheinland-Pfalz), 8 (Sachsen-Anhalt).

In welchen Punkten beide Parteien völlig konträr gehen, wird weiter unten untersucht. Die Anzahl Fragen, bei welchen das der Fall ist, sind in allen drei Ländern etwa gleich Weiterlesen

TV-Tipp: „Der große Euro-Schwindel – kommt die Wahrheit nach der Wahl?“

Mit dem Zweiten sieht man besser. Am Donnerstag, 5.9.2013, 22:15 lohnt sich das Einschalten von Maybrit Illner (ZDF). Gäste in der Sendung  „Der große Euro-Schwindel – kommt die Wahrheit nach der Wahl?“ sind Bernd Lucke (AfD) sowie EU-Kommissarin Viviane Reding und der Chefanalyst der Bremer Landesbank Folker Hellmeyer. Hier gibt es ein Vorschau-Video (1:25 min).

Sahra Wagenknecht: „Den Euro nicht ohne Wenn und Aber verteidigen“

Zugegeben, dass man irgendwann mal Sahra Wagenknecht zumindest partiell recht geben muss hätte man noch vor Jahren auch nicht gedacht. Aber Ehre wem Ehre gebührt. Hier Auszüge aus einem aktuellen Interview mit Sahra Wagenknecht auf n-tv, mit Anmerkungen.

Und in dem Zsuammenhang auch interessant: Die Studie The Systemic Crisis of the Euro –True Causes and Effective Therapies von Rainer Flassbeck und Costas Lapavitsas, im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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Lateinische Münzunion

Die Lateinische Münzunion (offiziell Union monétaire latine) war eine Währungsunion zwischen Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Griechenland, die vom 23. Dezember 1865 faktisch bis 1914 und formal bis zum 31. Dezember 1926 bestand. Einige weitere Länder prägten ihre Münzen ebenfalls nach den Vorschriften der Münzunion, ohne ihr jedoch beizutreten. Weiterlesen

Zusammenfassung von: Jobst Landgrebe, Alternativen zum „alternativlosen“ Euro. Eine kritische Analyse

Am 5. Mai 2013 hielt Jobst Landgrebe, stellvertretender Sprecher der Alternative für Deutschland NRW, auf dem AfD-Landesparteitag in Schmallenberg seinen Vortrag Alternativen zum „alternativlosen“ Euro. Eine kritische Analyse (hier als PDF). Sicher keine leichte Kost, aber er berührt nun mal die Grundfrage der AfD: Wie sollen wir  es mit dem Euro halten? Hier der Versuch einer Zusammenfassung durch einen Nicht-Finanzexperten.
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