Sachsen: Alle AfD-Kandidaten

Dieser Artikel wurde an die aktuellen Verhältnisse nach dem Beschluss des Sächsischen Landesverfassungsgerichts am 16. August 2019 angepasst. Wahlergebnisse als Update eingefügt.

Die definitive Entscheidung des sächsischen Landesverfassungsgerichts fiel am 16. August 2019: Die AfD darf zur Landtagswahl in Sachsen am 1. September 2019 mit 30 Listenkandidaten antreten.  Auf der Webseite www.wahlen.sachsen.de finden sich die Komplettlisten aller zugelassenen Direkt- und Listenkandidaten aller Parteien.

Mehr als 30 Sitze kann die AfD damit nur bekommen, wenn sie Direktmandate in den Wahlkreisen erhält, in denen ihr Kandidat NICHT auch auf der Landesliste steht (Update: dies gelang 8 Direktkandidaten, die AfD besetzte somit 38 Sitze. 39 hätten ihr zugestanden, einer blieb also vakant). Natürlich sollen darüber hinaus auch möglichst viele der Listenkandidaten ihr Direktmandat gewinnen (29 von 30 kandidieren auch direkt) – schon wegen der symbolischen Bedeutung (Update: 7 Listenkandidaten gewannen auch ein Direktkandidaten). Und ggf. hat es auch einen Einfluss auf den alles entscheidenden relativen Anteil der AfD-Sitze im Landtag: Es ist möglich, dass auch diesmal die CDU wieder mehr Sitze direkt gewinnt, als ihr aufgrund des Zweitstimmenergebnisses zustehen würden . D.h. der Landtag wird aufgestockt (Update: das geschah am Ende nicht: die CDU bekam sogar 4 Direktmandate weiger als ihr Sitze zustanden). Der AfD stünden dann (falls sie selbst wenig Direktmandate gewinnt und somit die AfD-Liste voll zum Einsatz kommt) zwar theoretisch Ausgleichsmandate zu, sie könnte diese aber praktisch mangels Listenkandidaten eventuell nicht besetzen; ihr relativer Sitzanteil sinkt damit. Um es zusammenzufassen: Letztendlich wäre jeder Gewinn eines Direktmandats vorteilhaft für die AfD bzw. die jeweiligen Kandidaten, von entscheidender Bedeutung sind allerdings die Wahlkreise, in welchen die AfD-Direktkandidaten NICHT gleichzeitig auch auf der Landesliste stehen. Wähler, die der AfD maximal schaden wollen, müssen entsprechend in den meisten Wahlkreisen ihre Erststimme dem Kandidaten der CDU geben: außerhalb Leipzigs (wo zu den Kommunalwahlen 2019 die Linken knapp vor den Grünen zur stärksten Partei avancierten) und vielleicht Dresdens (hier gewannen die Grünen vor der CDU)  haben andere Parteien, außer eben die AfD, ohnehin kaum realistische Chancen auf den Gewinn eines Direktmandats. 2014 holte die CDU 59 von 60 Direktmandaten, nur im Wahlkreis Leipzig 2 setzte sich die Kandidatin der Linken durch (Update: 2019 CDU 41, AfD 15, Grüne 2 x Leipzig & 1 x Dresden, Linke 1 x Leipzig). 

Das ist die Liste der AfD:

  1. Jörg Urban. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Bautzen 5. Zog über die Liste ein.
  2. Jan-Oliver Aldo Zwerg. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 3. Hier, in Pirna und Umgebung, kandidiert auch Frauke Petry um ein Direktmandat (sie gewann hier 2017 ihr Bundestags-Direktmandat. Ansonsten hat „Blaue #TeamPetry“ noch in Leipzig Land 3 und Leipzig 4 Direktkandidaten, welche aber praktisch unbekannt sind).Gewann Direktmandat.
  3. Dr. Joachim Michael Keiler. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Dresden 5. Zog über die Liste ein.
  4. André Wendt. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Dresden 2. Zog über die Liste ein.
  5. Sebastian Wippel. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Görlitz 2. Zog über die Liste ein. Sebastian Wippel war AfD-Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz. Beim ersten Wahlgang am 26.5.19  holte er mit 36,4% den ersten Platz. Zum zweiten Wahlgang am 16.6.19: konnte er sogar auf 44,8% zulegen, musste sich jedoch Octavian Ursu (CDU) geschlagen geben. Dieser holte im ersten Wahlgang, 30,3%, konnte jedoch im zweiten Wahlgang, auch dank des Rückzugs der Grünen- und Linken-Kandidaten, auf 55,2% zulegen. Und natürlich könnte man auch diesmal mit einer ähnlichen Strategie ein AfD-Direktmandat verhindern (die kleineren Parteien werden zwar ihre ohnehin aussichtslosen Kandidaten nicht zurückziehen, aber ggf. keinen besonders engagierten Wahlkampf um Erststimmen führen) . Das Diektmandats-Duell 2019 wird auf jeden Fall ähnlich hohen Symbolwert besitzen wie die OBM-Wahl: CDU-Kontrahent ist der amtierende Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer.
  6. Torsten Gahler. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Erzgebirge 5. Zog über die Liste ein.
  7. Mario Beger. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Meißen 2. Gewann Direktmandat.
  8. Dr. Rolf Weigand. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Mittelsachsen 2.Gewann Direktmandat.
  9. Holger Hentschel. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig 7.Zog über die Liste ein.
  10. Martina Jost. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Dresden 4. Zog über die Liste ein.
  11. Ivo Teichmann. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 4.Gewann Direktmandat.
  12. Frank Peschel. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Bautzen 1.Gewann Direktmandat.
  13. Wolfram Klaus Keil. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Zwickau 3. Zog über die Liste ein.
  14. Dr. Volker Götz Dringenberg. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Chemnitz 2. Hier (und in Chemnitz 3) hat auch „PRO CHEMNITZ & Freunde“ einen Direktkandidaten.Zog über die Liste ein.
  15. Carsten Hütter. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Meißen 1.Gewann Direktmandat.
  16. Hans-Jürgen Zickler. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Dresden 7.Zog über die Liste ein.
  17. Ulrich Willi Lupart. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Vogtland 2.Zog über die Liste ein.
  18. Tobias Martin Keller. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig 6.Zog über die Liste ein.
  19. Thomas Prantl. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Erzgebirge 4. Zog über die Liste ein.
  20. André Barth. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 2.Zog über die Liste ein.
  21. Roland Walter Hermann Ulbrich. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Nordsachsen 1. Zog über die Liste ein.
  22. Romy Penz. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Mittelsachsen 1. Romy Penz holte am 7. Juni 2015 bei der ersten Runde der Bürgermeisterwahl in der Großen Kreisstadt Flöha 21,8% (Platz 3). Damals ein AfD-Rekordergebnis, welches umso bemerkenswerter war, da zu diesem  Zeitpunkt der innerparteiliche Machtkampf in der AfD auf vollen Touren lief. Penz trat dann auch noch einmal in der zweiten Runde an (in welcher die einfache Mehrheit zum Sieg genügte). Da wurden es 18,8%, erneut Platz 3. Es gewann der Kandidat der Linken.Zog über die Liste ein.
  23. Christopher Hahn. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Zwickau 2. Zog über die Liste ein.
  24. Jörg Dornau. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig Land 3. Hier hat auch „Blaue #TeamPetry“ eine allerdings praktisch unbekannte Direktkandidatin.Zog über die Liste ein.
  25. Jörg Steffen Kühne. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig 5.Zog über die Liste ein.
  26. Mario Kumpf. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Görlitz 3.Gewann Direktmandat.
  27. Norbert Otto Mayer. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 1. Zog über die Liste ein.
  28. René Hein. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Meißen 4.Zog über die Liste ein.
  29. Jens Oberhoffner. Zog über die Liste ein.
  30. Alexander Wiesner. Zudem Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig 2.Dieser Wahlkreis beinhaltet auch den Stadtteil Connewitz, eine Hochburg der Linksautonomen. In Leipzig 2 kandidiert auch Juliane Nagel wieder, welche 2014 das einzige Direktmandat für die Linken holte und dieses natürlich verteidigen will. Zog über die Liste ein. Juliane Nagel verteidigte ihr Mandat.

Und das sind alle übrigen Direktkandidaten:

  • Wahlkreis Vogtland 1: Dietmar Frank Schaufel Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Vogtland 3: Lutz Hauswald
  • Wahlkreis Vogtland 4: Rico Weller. Hier musste die AfD zittern. Der zuständige Kreiswahlausschuss hatte am 6.7.19 Rico Weller nicht als Kandidaten zugelassen. Man bezweifelte dessen rechtmäßige Nominierung:
    Aufgrund personeller Querelen im AfD-Kreisverband wurde insgesamt dreimal ein Direktkandidat gewählt (jedes Mal ein anderer). Am 11.7.19 wurde diese Entscheidung jedoch vom Landeswahlausschuss mit 5:2 Stimmen revidiert: Weller darf antreten.
  • Wahlkreis Zwickau 1: Daniel Dölitzsch
  • Wahlkreis Zwickau 4: Thomas Seifert
  • Wahlkreis Zwickau 5: Manfred Stefan Frünke
  • Wahlkreis Chemnitz 1: Nico Köhler
  • Wahlkreis Chemnitz 3: Harald Steffen Wegert. Hier (und in Chemnitz 2) hat auch „PRO CHEMNITZ & Freunde“ einen Direktkandidaten. D.h. die AfD muss hier auch einen „Kampf gegen Rechts“ führen, um das wertvolle Direktmandat zu gewinnen.
  • Wahlkreis Erzgebirge 1: Thomas Dietz
  • Wahlkreis Erzgebirge 2: Manfred Körner
  • Wahlkreis Erzgebirge 3: Thomas Thumm Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Mittelsachsen 3: Holger Zielinski
  • Wahlkreis Mittelsachsen 4: Lars Kuppi Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Mittelsachsen 5: Christian Wesemann
  • Wahlkreis Leipzig Land 1: Frank May
  • Wahlkreis Leipzig Land 2: Elke Gärtner
  • Wahlkreis Leipzig Land 4: Jens Zaunick
  • Wahlkreis Leipzig 1: Kerstin Penndorf
  • Wahlkreis Leipzig 3: Petra Böhme
  • Wahlkreis Leipzig 4: Falk-Gert Pasemann. Hier hat auch „Blaue #TeamPetry“ einen allerdings praktisch unbekannten Direktkandidaten.
  • Wahlkreis Nordsachsen 2: René Bochmann
  • Wahlkreis Nordsachsen 3: Gudrun Petzold Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Meißen 3: Thomas Kirste Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Dresden 1: Karin Wilke
  • Wahlkreis Dresden 3: Thomas Ladzinski
  • Wahlkreis Dresden 6: Andreas Harlaß
  • Wahlkreis Bautzen 2: Christian Friedrich Schultze
  • Wahlkreis Bautzen 3: Timo Schreyer Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Bautzen 4: Doreen Schwietzer Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Görlitz 1: Roberto Kuhnert Gewann Direktmandat.
  • Wahlkreis Görlitz 4: Christian Siegert

Abschließend sei bemerkt, dass die Landtagswahl in Sachsen auch für gleich zwei AfD-Abspaltungen die Premiere darstellt: Da ist zum einen „Die blaue Partei“ (Blaue #TeamPetry), welche ja momentan durch Übertritte aus der AfD über 5 Landtagsmandate in Sachsen verfügt (und dazu 3 in NRW, 2 im Bundestag und eins in Sachsen-Anhalt).  Wunder können sie nicht erwarten: Blaue #TeamPetry hatte am 6. Mai 2019 eine kleine Premiere zur Kommunalwahl in Zwickau, und verfehlte mit 0,93% einen Sitz im Stadtrat . Und sowieso zur Nullnummer dürfte sich der Antritt der Partei Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland (ADPM) entwickeln. Diese wurde von Sachsen-Anhalts Ex-AfD-Fraktionschef André Poggenburg im März 2018 direkt nach seinem AfD-Austritt gegründet. Poggenburg  blieb allerdings die einzige Person von Bedeutung in dieser Partei, aber immerhin hatte der ADPM mit Poggenburg einen Landtagsabgeordneten (in Sachsen-Anhalt allerdings). Einen Landesverband gibt es nur in Sachsen; die sächsischen Landtagskandidaten sind komplett unbekannt. Poggenburg sah denn auch die Sinnfreiheit ein und beantragte auf dem ADPM-Bundesparteitag am 11. August 2019, dass der ADPM den eigenen Wahlkampf besser einstellen und zur Wahl der AfD aufrufen sollte. Der Rest der ADPM will das Ding jedoch durchziehen, und Poggenburg verließ deshalb die Partei (Update: Blaue #TeamPetry holte 0,4%, ADPM 0,2%). . 

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