Nach Europa- und Bremen-Wahl: eine AfD-Bestandsaufnahme

Zur Europawahl und zur Landtagswahl in Bremen, beide am 26. Mai 2019, hatte die AfD erstmals Gelegenheit, bestehende Mandate zu verteidigen. Und gleichzeitig hatte sie bei beiden Wahlen ihre letzten Makel auszubügeln: Nirgends wurde die AfD so sehr durch Austritte gebeutelt wie eben im Europaparlament und in der Bremischen Bürgerschaft. Zudem scheiterte die AfD 2015 letztmalig in ihrer Geschichte an einer Sperrklausel – nur 4,9% in Bremerhaven, die dort errungenen AfD-Stimmen blieben damit unberücksichtigt bei der Bestimmung der Sitzverteilung in der Bremischen Bürgerschaft, und die AfD verfehlte den Einzug in Fraktionsstärke. Diesmal gelang es übrigens: IBremerhaven 9,1% (fast eine Verdoppelung ihres Anteils) und 1 Sitz, in der Stadt Bremen 5,8% (sehr knappe Steigerung um nur +0,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015),  es blieb bei 4 Sitzen. Macht zusammen 5 Sitze und damit Fraktionsstärke. Der Konkurrent Bürger in Wut konnte sich in Bremerhaven ebenfalls von 6,5% auf 7,4% steigern und damit das Mandat von Jan Timke verteidigen (in der Stadt Bremen blieben die BIW wie auch bisher schon chancenlos). 

An dieser Stelle eine Bestandsaufnahme: Wie viele Mandate hat die Alternative für Deutschland durch Wahlen erhalten, und wie viele davon gingen durch Austritte oder Ausschlüsse verloren? Wenn man den 25.Mai 2019 (also den Tag vor der Europa- und Bremen-Wahl, und damit alle Mandate aus dem jeweiligen ersten erfolgreichen Antritt) als Stichtag nimmt, sieht es wie folgt aus: Die AfD erzielte insgesamt 328 Mandate, davon 94 im Bundestag, 7 im Europaparlament, die übrigen 227 in den Landtagen. Marcus Pretzell und Frauke Petry kommen in dieser Summe von 328 Mandaten je zweimal vor. Von den 328 Mandatsträgern haben 49 (14,9%) die AfD-Fraktionen (bzw. AfD-Gruppen, in Bremen und Europa) verlassen. In den meisten Fällen traten sie auch aus der Partei aus. Von diesen 49 wiederum wurde 38 (77,6%) die AfD nach eigenen Aussagen zu radikal. Das betrifft insbesondere alle Abgänge zur Lucke-Partei ALFA, später LKR, sowie zur Blauen Partei von Petry & Pretzell. In 10 Fällen (20,4%) war es andersherum: Wegen rechtslastiger Äußerungen (welche in einigen Fällen von den Betroffenen bestritten wurden) wurden sie gar nicht erst in die Fraktion aufgenommen oder aus der Fraktion ausgeschlossen, oder sie traten mehr oder weniger freiwillig aus (meistens, um dem angedrohten Ausschluss zuvorzukommen). Im verbleibenden Fall hat der Grund nichts mit der politischen Ausrichtung zu tun. Es gab zwei „Wellen“: zu einen nach dem Lucke-Abgang 2015 (betroffen waren die Präsenzen im Europaparlament sowie in Bremen und Thüringen, während die ebenfalls schon bestehenden Fraktionen in Sachsen, Brandenburg und überraschenderweise auch Hamburg unbeeinflusst blieben) sowie nach der Bundestagswahl 2017 (der Petry-Abgang hatte Auswirkungen im Bundestag, in Sachsen und in NRW, sowie in geringerem Maße im Europaparlament und in Sachsen-Anhalt. Ein zeitgleicher größerer Abgang in Mecklenburg-Vorpommern stand angeblich in keiner Beziehung dazu). Die meisten Abgänge gab es in absoluten Zahlen im Europaparlament (6) gefolgt von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern (je 5), in relativen Zahlen im Europaparlament (85,7%) und in Bremen (75,0%). Keine Verluste gab es bislang in Niedersachsen und im Saarland.

  • Europaparlament: Gewählt am 24.5.2014: 7. Am Ende der Legislaturperiode: 1. Gewählt am 26.5.2019: 11. Bernd Lucke und seine vier (zunächst) Getreuen  Bernd KölmelHans-Olaf HenkelUlrike Trebesius und Joachim Starbatty gingen im Juli 2015 und gründeten eine eigene Partei (ursprünglich ALFA, jetzt Liberal-Konservative Reformer = LKR). Wobei Bernd Lucke ab September 2018  die LKR für sich allein hatte, denn die anderen vier gingen nun auch ihm von der Fahne. Wahlerfolge konnten die LKR jedoch nur auf kommunaler Ebene erzielen (und selbst da gerade mal immer nur einen Sitz), zur Europawahl 2019 scheiterten sie kläglich, und damit war auch für Lucke Schluss. Marcus Pretzell ging nach der Bundestagswahl 2017 und schloss sich der Blauen Partei seiner Frau Frauke Petry an. Eigentlich hätte er auch deren Spitzenkandidat zur Europawahl sein sollen, die Partei zog jedoch zurück. Nur Beatrix von Storch blieb der AfD treu. Als sie 2017 in den Bundestag einzog, musste sie ihren Sitz in Straßburg & Brüssel an Jörg Meuthen weitergeben, welcher 2019 als AfD-Spitzenkandidat erneut einzog (ein Sitz in einem nationalen Parlament ist seit 2004 unvereinbar mit der Mitgliedschaft im Europaparlament). 
  • Bundestag: Gewählt: 94. Jetzt: 91Frauke Petry trat der AfD-Fraktion von vornherein nicht bei. Mario Mieruch verließ die Fraktion am 4.10.17. Beide gehören nun zur Blauen Partei, deren Chefin Petry ist. Am 17. Dezember 2018 trat Uwe Kamann aus Partei und Fraktion aus. Begründung „unterschiedliche Auffassungen über politische und fachpolitische Ausrichtungen“ (Update: draus lässt sich als solches nichts konkretes entnehmen. Aber aus einem am 14. Juli 2019 veröffentlichten Interview mit dem Stern lässt sich schon entnehmen, dass Kamann zu den „Gemäßigten Abgängen“ zu zählen ist). Kamann blieb parteilos.
  • Landtage:
    • Bayern: Gewählt: 22. Jetzt: 20. Raimund Swoboda (AfD-Spitzenkandidat in Mittelfranken) verließ Fraktion und Partei am 27. März 2019. Begründung: „„Kampfrhetorik bei Plenumsauftritten einzelner AfD-Redner sowie das zunehmend aggressive Gebrülle einzelner Fraktionsmitglieder bei Reden anderer Fraktionen“. Markus Plenk folgte am 5. April 2019: er hatte es nach eigenem Bekunden „satt, die bürgerliche Fassade einer im Kern fremdenfeindlichen und extremistischen Partei zu sein“. Er wollte gern zur CSU wechseln, bisher ist er aber genau wie Swoboda partei- und fraktionslos.
    • Baden-Württemberg: Gewählt: 23. Jetzt: 20.  Am 5. Juli 2016 verließ Wolfgang Gedeon, die Fraktion (nicht aber die Partei. Versuche, ihn auszuschließen, scheiterten). Gedeon war zuvor durch antisemitische Schriften aufgefallen. Eine Antrag auf Fraktionsausschluss hatte zuvor 13:9 Stimmen bekommen (bei einer Enthaltung) und damit die Zweidrittelmehrheit verfehlt. Obwohl Gedeon dann trotzdem freiwillig ging, verließen Fraktionschef (und AfD-Bundessprecher) Jörg Meuthen und 12 weitere Mitglieder die AfD-Fraktion und bildeten die Fraktion „Alternative für Baden-Württemberg“. Die Gemüter beruhigten sich jedoch, als sich herausstellte, dass in BaWü eine Partei durchaus zwei Fraktionen haben könne und dies sogar Vorteile bringe (zwei Fraktionen können die Bildung eines Untersuchungsausschusses fordern. Im  August 2016 kam so der Untersuchungsausschuss „Linksextremismus in Baden-Württemberg“ zustande). Im Oktober 2016 kam es dann zur Wiedervereinigung (ohne Gedeon). Im Dezember 2016 trat Claudia Martin (eine der 13 Meutherer) aus der Fraktion aus, weil diese sich ihrer Ansicht nach auf einem Rechtskurs befindet. Am 11. November 2017 trat sie der CDU bei, seit 28. November 2017 gehört sie zur CDU-Fraktion. Am 24. November 2017 erklärte Heinrich Fiechtner (ebenfalls ein Meutherer) seinen Austritt aus der AfD-Fraktion und der Partei. Grund war die fortgesetzte Zusammenarbeit seiner Fraktion mit Wolfgang Gedeon. Zudem hatte Fiechtner sich schon bei einigen Themen gegen die Fraktinsmehrheit gestellt (manchmal allein, manchmal mit Unterstützung), zum Beispiel  befürwortete er die Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge und die Fortführung der Co-Finanzierung der Gedenkstätte Gurs (Pyrenäen) durch BaWü. Er wurde dafür mit diversen Sanktionen belegt (kein Einsatz  als Redner, Abberufung aus Ausschüssen) und stand kurz vor dem Fraktionsausschluss.
    • Berlin: Gewählt: 25. Jetzt: 22. Kay Nerstheimer wurde als Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Lichtenberg 1 gewählt. Vor der Konstituierung der AfD-Fraktion verzichtete er schriftlich auf eine Fraktionsmitgliedschaft. Nerstheimer war wegen seiner rechten Äußerungen sowie seiner Aktivitäten für die German Defence League in die Kritik geraten, ein Parteiausschlussverfahren wurde eingeleitet. Am 18.7.2017 wurde Andreas Wild wegen rassistischer Äußerungen aus der AfD-Fraktion (nicht aber der Partei) ausgeschlossen. Das gleiche Schicksal traf am am 6. November 2018 Jessica Bießmann, Gewinnerin des Direktmandats im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf 3. Der Grund war hier ein 10 Jahre altes, angeblich in der Küche eines damaligen Freundes aufgenommenes Foto, auf welchem bei entsprechender Vergrößerung im Hintergrund Weinflaschen mit Hitler-Etiketten zu sehen waren (in Italien bekommt man so etwas legal. Bießmann erklärte, die Flaschen nicht bemerkt haben).
    • Brandenburg: Gewählt: 11. Jetzt: 8Stefan Hein (der Sohn der Lebensgefährtin von Alexander Gauland) wurde am 6. Oktober 2014 aus der Fraktion ausgeschlossen. Hein hatte zuvor zugegeben, diverse von ihm erfundene Gerüchte über Gauland an die Presse gegeben zu haben (d.h. hie war die politische Ausrichtung nicht ausschlaggebend. Hein behielt sein Landtagsmandat angeblich nur deshalb, um einen Landtagseinzug seines designierten Nachrückers Jan-Ulrich Weiß zu verhindern, welcher durch diverse antisemitische Äußerungen aufgefallen war (Weiß sitzt mittlerweile aber ebenfalls für die AfD im Landtag, als Nachrücker des in den Bundestag gewechselten Alexander Gauland). Steffen Königer trat am 29. November 2018 aus Fraktion und Partei aus. Begründung: „Die Bürgerlichen in der AfD haben den Kampf gegen die Destruktiven der Partei in vielen Landesverbänden endgültig verloren. Innerhalb der Partei nimmt die Begeisterung über bewusste Grenzübertritte von wenigen Protagonisten nicht ab“. Am 29. April 2019 tat es ihm Sven Schröder nach. Hauptgrund war Kritik am Führungsstil von Brandenburgs Partei- und Fraktionschef Andreas Kalbitz, welcher dem „Flügel“ um Björn Höcke angehört.
    • Bremen: Gewählt am 10. Mai 2015: 4. Am Ende der Legislaturperiode: 1. Gewählt am 26. Mai 2019: 5. Nach dem Abgang von Bernd Lucke traten drei der 4 Mitglieder der Bremer AfD-Gruppe in Luckes Partei über. Von einem kurzen Intermezzo in Thüringen abgesehen waren sie damit die einzigen Landtagsabgeordneten, die ALFA bzw. LKR jemals hatte (genau wie die AfD zuvor hatten sie jedoch nur Gruppenstatus. Denn zur Fraktionsbildung braucht man 5 Mandatsträger. Welche zudem über die selbe Liste gewählt sein müssen, d.h. ein Zusammenschluss der 4 AfDler mit dem einen Mandatsträger der Bürger In Wut hätte keine Fraktion ergeben). Allerdings konnte die Lucke-Partei selbst in Bremen nicht wirklich etwas aufbauen. Zwei der drei, Piet Leidreiter und Klaus Remkes, zogen im Juni 2017 weiter zu den Bürgern in Wut (waren sie wütend darüber, dass Luckes LKR den Bach runtergegangen war?) und wurden damit die ersten Stadt-Bremischen BIW-Abgeordneten. Sie kandidierten dann auch für BIW am 26. Mai 2019 in der Stadt Bremen, hier blieb BIW jedoch wie immer chancenlos (1,6,%. In Bremerhaven hingegen konnte BIW ihr einziges Mandat verteidigen). Der dritte Rebell (Christian Schäfer) war nun der deutschlandweit letzte verbliebene LKR-Landtagsabgeordnete. Und er versuchte gar nicht erst, sein Mandat zu verteidigen: LKR trat 2019 in Bremen nicht an. Nur Alexander Tassis blieb der AfD treu, was für einiges Aufsehen und Unverständnis sorgte: Grieche, bekennender Schwuler – und Protagonist der Patriotischen Plattform der AfD. Allerdings überwarf sich Tassis mit dem Bremer Landesverband und kandidierte dann 2019 auch nicht erneut, d.h. die AfD Bremen ging hier 2019 mit neuem Personal an den Start. Update: Im September 2019 war es dann auch schon wieder vorbei mit der Fraktion in Bremen: drei der fünf AfDler verließen die Fraktion, welche damit ihren Fraktionsstatus verlor. Alle fünf gehören aber noch der AfD an, d.h. diese hat nun zwei Gruppen in der Bürgerschaft.
    • Hamburg: Gewählt: 8. Jetzt: 6. Der Abgang von Bernd Lucke hatte überraschenderweise zunächst keine Auswirkungen. Der bekennende Weckrufler Jörn Kruse legte lediglich den Landesvorsitz nieder, blieb aber Fraktionschef (seit Mai 2016 Co-Chef in der neu eingeführten Doppelspitze). Es ging zunächst ein anderer: Ludwig Flocken verließ im Februar 2016 die Fraktion und kam damit wohl einem Ausschlussverfahren zuvor. Flocken galt als Rechtsaußen. Am 1. November 2018 fand dann aber auch Kruse, das es Zeit ist, Partei und Fraktion zu verlassen.
    • Hessen: Gewählt: 19. Jetzt: 18Alexandra Walter gehört zwar weiterhin der AfD an, wurde aber aufgrund bizarrer rechtslastiger Einträge in sozialen Medien nicht in die Fraktion aufgenommen (Walter bestreitet, diese Einträge getätigt zu haben).
    • Mecklenburg-Vorpommern: Gewählt: 18. Jetzt: 13. Fraktionsvize Holger Arppe trat am 31. August 2017 aus Partei und Fraktion aus, „um Schaden von der AfD vor der Bundestagswahl 2017 abzuwenden“. Er galt als Rechtsaußen. Am 25. September 2017 (am Tag nach der Bundestagswahl) verließen vier Abgeordnete die AfD-Fraktion und bildeten eine neue Fraktion unter der Bezeichnung „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern (BMV)“ (dies ist damit die einzige AfD-Abspaltung, welche Fraktionsstärke erreichte). Als Gründe wurden die dauernde Radikalisierung und Außenseiter-Stellung der AfD-Fraktion genannt. Dieser Abgang geschah damit zeitgleich zu dem von Frauke Petry, nach eigenen Aussagen gab es jedoch keine Absprachen: die vier hatten nur bis nach der Wahl gewartet, um die Wahlchancen der AfD und insbesondere von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm nicht zu beeinträchtigen (Holm kandidierte, allerdings vergeblich, gegen Angela Merkel um ein Direktmandat)  Die BMVer (Christel WeißigMatthias Manthei, Ralf Borschke und Ex-Landessprecher  Bernhard Wildt) wollte ursprünglich weiterhin in der AfD bleiben, Leif-Erik Holm kündigte jedoch an, eine zweite AfD-Fraktion nicht zu dulden. Und auch die 4 BMVer kamen bald darauf zu dem Schluss, besser ganz zu gehen. Am 20. Januar 2018 gründeten sie eine Partei namens Bürger für Mecklenburg-Vorpommern und peilten die Kommunalwahlen 2019 an. Aber man sah dann offenbar die geringen Erfolgsaussichten ein und fusionierte Ende 2018 mit den Freien Wählern (wobei Ralf Borschke zwar in der Fraktion blieb, die sich „Freie Wähler/BMV“ nennt, sich aber nicht der Partei anschloss). Die Freien Wähler haben damit nun nicht nur in Bayern, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern eine Landtagsfraktion.
    • Niedersachsen: Gewählt: 9. Jetzt: 9. Alle noch da.
    • Nordrhein-Westfalen: Gewählt: 16. Jetzt: 13. Fraktionschef Marcus Pretzell (Ehemann von Frauke Petry) kündigte nach der Bundestagswahl an, Partei und Fraktion zu verlassen. Alexander Langguth folgte ihm. Am 10.10. erklärte auch Frank Neppe seinen Austritt aus Partei und Fraktion. In einem Brief beklagt Neppe sich einerseits, dass einige Funktionäre die Partei mit ihren Äußerungen „immer weiter in die rechte Ecke bugsieren“. Er teilte jedoch auch seine Enttäuschung über Mitglieder mit, welchen „es in der AfD niemals um die Sache ging, sondern lediglich darum, ihr eigenes Ego zu befriedigen“. Trotzdem entschloss er sich, mit Marcus Pretzell weiter zusammenzuarbeiten: alle drei AfD-Aussteiger gehören jetzt zur Blauen Partei (welche damit in drei Landtagen vertreten ist, sie hat jedoch weder in NRW noch in Sachsen oder Sachsen-Anhalt Fraktionsstärke oder Gruppenstatus). Neppe, und Langguth sind zudem Mitglied der Blauen Fraktion im Stadtrat Iserlohn, der ersten Fraktion der Partei auf Kommunalebene..
    • Rheinland-Pfalz: Gewählt: 14. Jetzt: 13.Jens Ahnemüller wurde im September 2018 aus der AfD-Fraktion ausgeschlossen. Grund: Kontakte zum ehemaligen stellvertretenden Vorsitzender der NPD Rheinland-Pfalz.
    • Saarland: Gewählt: 3. Jetzt: 3. Alle noch da.
    • Sachsen: Gewählt: 14. Jetzt: 9.Der Abgang Bernd Luckes hatte in Sachsen keine Konsequenzen, der von Frauke Petry umso mehr. Fraktions-Chefin (und AfD-Bundessprecherin)  Frauke Petry verließ am 26. September 2017 (zwei Tage nach der Bundestagswahl) Partei und Landtagsfraktion (nachdem sie schon der Bundestagsfraktion nicht beigetreten war). Gemeinsam mit ihr gingen Kirsten Muster (Fraktionsvize) und Uwe Wurlitzer (ehemaliger Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD Sachsen). Am 29.9. verließ auch Andrea Kersten die Fraktion, am 13.10. Gunter Wild. Alle 5 bilden die der Blauen Partei nahestehende Blaue Gruppe, welche jedoch inoffiziellen Charakter hat, da der Landtag Sachsen keinen Gruppenstatus kennt (zur Fraktionsbildung braucht es mindestens 7 Abgeordnete).
    • Sachsen-Anhalt: Gewählt: 25. Jetzt: 21. Sarah Sauermann trat am 28. Mai 2017 aus der Fraktion aus, Gottfried Backhaus folgte am 2. Juni 2017 und Jens Diederichs am 6. Juni 2017. Alle drei gaben den ihrer Meinung nach zu starken Rechtskurs der Fraktion als Grund an. Diederichs ist jetzt Mitglied der CDU-Fraktion, und Backhaus schloss sich als einziger Sachsen-Anhaltiner im Januar 2018 der Blauen Partei an. Und im Januar 2019 verließ schließlich André Poggenburg Partei und Fraktion (damit reagierte er auf einen Beschluss des AfD-Bundesvorstands, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen). Poggenburg war von 2014 bis 2018 Vorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, und bis zum Vertrauensentzug im März 2018 auch Fraktionschef. Er war neben Björn Höcke einer der Protagonisten des rechten Flügels. Direkt nach seinem Austritt gründete Poggenburg die Partei Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland (ADPM), welcher sich bislang jedoch keine weitere Persönlichkeit von Relevanz anschloss (und einen Landesverband gibt es bislang nur in Sachsen). Update: Am 11. August 2019 beantragte André Poggenburg, dass der ADPM seinen Wahlkampf in Sachsen aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten einstellen und statt dessen zur Wahl der AfD aufrufen solle. Dieser Vorschlag stieß jedoch auf fast einhellige Ablehnung, worauf Poggenburg den ADPM verließ.
    • Schleswig-Holstein: Gewählt: 5. Jetzt: 4. Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein musste die Fraktion (nicht aber die Partei) verlassen. Woher sie ihren Namen hat, ist unklar (geboren wurde sie als Doris Ulrich). Jedenfalls trat sie im März 2016 in die AfD ein (nach eigenen Aussagen hatte sie mit der AfD nicht viel anfangen können, so lange Bernd Lucke Chef war. Das ist bemerkenswert, denn offenbar hatte ja selbst Björn Höcke kein Problem mit Lucke). Bei der Wahl am 7. Mai 2017 zog sie in den Landtag ein, und im Juli 2017 wurde sie mit 68% der Stimmen zur neuen Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein gewählt. Und im Dezember 2017 wäre sie fast eine der beiden AfD-Bundessprecher geworden: In zwei Wahlgängen gegen den gemäßigten und etwas farblosen Georg Pazderski konnte sich (aufgrund zu vieler Nein-Stimmen) keiner der beiden durchsetzen, so dass schließlich beide zugunsten von Alexander Gauland zurücktraten. Der eigentlich gar nicht wollte, aber nun neben Jörg Meuthen Parteichef ist. Ein Jahr später endete die Karriere der falschen Fürstin allerdings vorerst: Am 4. Dezember 2018 schloss die AfD-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein sie aus. Hintergrund waren ihre Aktivitäten für einen als rechtsextrem eingestuften Verein in Thüringen. Am 17. Dezember 2018 beschloss der AfD-Bundesvorstand die Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens (Status unklar). Am 19. Dezember 2018 erklärte die falsche Fürstin ihren Rücktritt vom Amt der AfD-Vorsitzenden in Schleswig-Holstein. Update: Am 29. Juni 2019 wurde Doris von Sayn-Wittgenstein erneut mit 137 Stimmen zur Landesvorsitzenden in Schleswig-Holstein gewählt. Ihre Konkurrenten erhielten 100 bzw. 4 Stimmen. Aus der Landtagsfraktion ist sie aber nach wie vor ausgeschlossen. Update 2: Am 28. August 2019 beschloss das AfD-Bundesschiedsgericht letztinstanzlich den Ausschluss Sayn-Wittgenseins aus der AfD. Sie ist damit als frisch wiedergewählte Landesvorsitzende die bisher ranghöchste aus der AfD ausgeschlossenen Person.
    • Thüringen: Gewählt: 11. Jetzt: 7. Der Richtungsstreit des Jahres 2015 schlug in Thüringen voll durch: Drei Abgeordnete unterstützten den Weckruf, die übrigen acht die von Björn Höcke (dem Chef der AfD Thüringen) initiierte Erfurter Resolution. Die Weckrufler verließen im April bzw. Mai 2015 die Fraktion (einer davon unfreiwillig: Siegfried Gentele wurde am 15. April 2015 wegen „zerrüttetem Vertrauensverhältnis und grob fraktionsschädigendem Verhalten“ ausgeschlossen). Im Juli 2015, nach dem Austritt von Bend Lucke,verließen sie dann auch die Partei. Bernd Luckes neuer Partei ALFA trat jedoch nur Siegfried Gentele bei, im Oktober 2015 trat er obendrein direkt wieder aus. Seit März 2016 ist Gentele Generalsekretär des Thüringer Landesverbandes.der Familien-Partei Deutschlands. und damit auch deutschlandweit der einzige Landtagsabgeordnete dieser Partei. Oskar Helmerich ist seit 13. April 2016 Mitglied der SPD-Fraktion und gehört seit Mai 2016 auch der SPD an. Im Mai 2019 sorgte er hier für Aufregung: „Um Wähler zu werben, die zur AfD abgewandert seien“, lud Helmerich Thilo Sarrazin (der damals ja auch noch SPD-Mitglied war) zu einer Lesung aus dessen Buch Feindliche Übernahme ein. Jens Krumpe blieb parteilos. Und dann gab es noch einen vierten Austritt: Klaus Rietschel rückte im Oktober 2017 für den in den Bundestag eingezogenen Stephan Brandner nach. Am 15. Januar 2019 verließ Rietschel Partei und Fraktion („Wer, wie ich, im März 2013 in die AfD eingetreten ist, der hat in dieser Partei bis zum Januar 2019 einen Richtungswechsel erlebt“).
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Ein Gedanke zu „Nach Europa- und Bremen-Wahl: eine AfD-Bestandsaufnahme

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