Kölner Großmoschee: In der Realität angekommen

Am vergangenen Samstag, dem 29. September, kam die Stadt Köln in der Realität an: Wo Moschee draufsteht, ist Moschee drin (Ort der Niederwerfung ,so die wörtliche Bedeutung des arabischen Worts Masdschid). Wo DITIB draufsteht, ist DITIB drin. Und noch eine Erkenntnis, welche im Eurorettungs- und Willkommenskultur-Deutschland manchmal etwas abhanden gekommen zu sein scheint: Wer bezahlt, bestimmt auch, wo es langgeht. Und die neue Kölner Moschee sowie ihr Personal haben nun mal im Großen und Ganzen DITIB und der türkische Staat bezahlt (bzw. werden dafür bezahlen), während die Deutschen wohl eher den Bauherren mit ihren architektonischen und sonstigen Sonderwünschen auf die Nerven gingen. Natürlich weihte dann Recep Tayyip Erdoğan die Moschee ein, und die Deutschen können froh sein, wenn sie eine warme Suppe oder ähnliches bekommen (nichts gegen türkische Suppen, im Gegenteil …). Etwa am Tag der Offenen Moschee am 3. Oktober, da durfte NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) sogar reden (es ist ein Zeichen für gelungene Integration, wenn deutsche Politiker an ihrem eigenen Nationalfeiertag den Moscheebesuch anderen möglichen Terminen vorziehen). Auch für das türkische Publikum (welches in dieser Hinsicht allerdings genügsamer zu sein scheint als die Kölner Karnevalisten) hatte DITIB keine besondere Einweihungs-Party geplant: bitte einfach am Fuße der zum Tempelberg führenden Treppen versammeln und eifrig Fahnen schwenken …  Hier machten allerdings die deutschen Behörden der DITIB einen kleinen Strich durch die Rechnung und erzwangen einen gewissen Abstand der Zaungäste. Wie auch immer, es war ja alles rein symbolisch, tatsächlich hat die Moschee schon zwei Ramadane und Opferfeste hinter sich, nur der Große Führer aus Ankara hatte erst jetzt Zeit und Gelegenheit.

Kaum jemand dürfte wohl so frustriert gewesen sein wie Fritz Schramma, (CDU), Oberbürgermeister von Köln 2000-09 (das war eine einzige Amtszeit!). Was hatte er nicht alles unternommen: Am 28. August 2008 stimmte er als einziger CDUler gemeinsam mit SPD, FDP, Grünen und Linken für die Genehmigung des Moscheebaus. Die  Grundsteinlegung fand dann am 7. November 2009 (da war Schramma schon nicht mehr im Amt, aber durfte genau wie sein Nachfolger reden) und das Richtfest am 2. Februar 2011 statt. Un dann kam der große Knatsch, und Schramma trat wieder in Aktion: Ein von ihm geleitetes Mediationsverfahren erreichte im März 2012, dass Paul Böhm zwar nicht die Bauleitung zurückbekam, aber immerhin weiter Berater sein durfte. Und der Bau konnte mit angezogener Handbremse (aufgrund laufender Gerichtsverfahren) weitergehen. Und was gab es am Ende dafür: Zwei Tage vor dem großen Einweihungs-Tag lag dann endlich eine Einladung in seinem Briefkasten. Am Montag danach kotzte sich Schamma dann bei Hart aber Fair noch mal so richtig aus, endete aber mit einer Botschaft der Hoffnung: die Moschee wird noch existieren, wenn Erdoğan längst Geschichte ist, man muss halt weiter den Dialog suchen. Irgendwie konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Schramma in der DITIB die Edlen Wilden sieht, die es einfach nicht besser wissen.

Dass Architekt Paul Böhm weiteragieren konnte, war natürlich vor allem für die deutsche Seite wichtig: Die Moschee sollte schließlich ein gelungenes Beispiel der deutsch-türkischen bzw. christlich-muslimischen Zusammenarbeit darstellen. Und da passte es, dass kein Geringerer als Stararchitekt Gottfried Böhm, bisher bekannt vor allem durch christliche Sakralbauten im Stil des Brutalismus (wenn auch nicht ausschließlich), den Zuschlag bekam und hier gemeinsam mit seinem Sohn Paul sein Lebenswerk mit einer Großmoschee krönen durfte. Und nun wollten die Türken den einfach feuern! Weil die Moschee nicht weiß genug ist (die Türken haben andere Vorstellungen von brutaler Architektur als die Böhms)! Und wegen angeblich versteckten christlichen Symbolen und 2000 Baumängeln (einer davon: Wegen zu kleiner Fahrstühle mussten Totengebete in der Tiefgarage stattfinden. Das Problem scheint mittlerweile aber behoben zu sein). Aber Schramma hat die Blamage dann noch mal abgewendet (Böhm durfte allerdings bei der Einweihungsfeier genauso wenig reden wie irgendeine andere deutsche Persönlichkeit).

Nein, diese Moschee hätte so nicht gebaut werden dürfen. Denn wie optimistisch  Schramma und andere auch sein mögen: Man hat damit das Schicksal eines extrem symbolträchtigen Bauwerks in die Hände einer anderen Nation gelegt. Und auch der Integration war es nicht wirklich dienlich: Diejenigen türkischstämmgen Muslime, welche sich innerlich schon darauf eingestellt haben dass Deutschland und nicht die Türkei die Heimat ihrer Familie sein wird, stehen dann eben zwangsläufig doch wieder bei Erdoğan auf der Matte, wen sie ihren religiösen Verpflichtungen in ansprechender Umgebung nachkommen möchten. Vielleicht sollte in der Tat der Gesetzgeber tätig werden und das Privileg zum Bau derartiger Moscheen einzig einer anerkannten islamischen Religionsgemeinschaft zubilligen. Denn dann müssen sich die Islamverbände zusammenraufen (so hatte es die Stadt Köln ursprünglich durchaus gewollt: Die Islamverbände errichten in Köln gemeinsam eine Großmoschee. Aber irgendwann realisierte man, dass Köln dann wohl bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf die erträumte größte und schönste Moschee Deutschlands warten könnte, also ließ man sich auf das DITIB-Projekt ein). Wie das Beispiel Österreich zeigt, sind damit zwar noch längst nicht alle Probleme behoben, aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

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