Martin Renner wird Spitzenkandidat der AfD NRW zur Bundestagswahl 2017

„Ich bin außerordentlich geduldig, vorausgesetzt, ich kriege am Ende, was ich wollte“ (Margaret Thatcher). Nun ist es wirklich soweit: Martin Renner steht alleinig an der Spitze, er darf die Liste der AfD NRW zur Bundestagswahl 2017 anführen. „Martin Renner hat es endlich doch geschafft“ hieß es hier auf diesem Blog zwar schon Ende August 2015, aber jetzt passt es noch besser.

Aber werfen wir doch mal einen Blick zurück: Martin E Renner (E für Erwin) war bisher einer der vergessenen Gründerväter der AfD: von ihm stammen insbesondere der Namensvorschlag “Alterative für Deutschland” und das AfD-Logo mit rotem Pfeil auf blauem Hintergrund. Renner organisierte den Gründungsparteitag des Landesverbands NRW der Alternative für Deutschland am 12. April 2013 in Rommerskirchen. Und kandidierte für den Posten des Landessprechers. Die AfD war aber noch nicht reif für den etwas eigenwilligen Radikal-Konservativen Martin Renner (und auch seine konsequente Überschreitung der zugestandenen Redezeit bei fast jedem Auftritt überzeugten nicht gerade). Gewählt wurde ein anderer: Alexander Dilger, Professor für Wirtschaftsökonomie, Ex-FDP, eloquent, so gar nicht ins Medien-Klischeebild einer rechten Partei passend, geradezu der Bernd Lucke für NRW (und noch mal deutlich liberaler als dieser). Martin Renner musste sich mit einem Stellvertreter-Posten und dem Platz 7 auf der Landesliste NRW zur Bundestagswahl 2013 begnügen.

Und es kam schlimmer: Nach der Bundestagwahl schätzte Renner die Stimmung im Landesverband völlig falsch ein. Die AfD NRW hatte zuvor mit 3,9% ein obermieses Ergebnis ein (nur im kleinen Stadtstaat Bremen und im Flächenland Niedersachsen war sie noch schlechter), also man kann schon sagen dass hier im einwohnerstärksten Bundesland der Bumdestagseinzug vergeigt wurde. Darauf kam der NRW-Landesparteitag in Arnsberg am 30. November 2013. Landessprecher Alexander Dilger (der im Wahlkampf nicht wie erhofft brillierte und außerhalb der Partei kaum bekannt wurde) schlug den kompletten Rücktritt des Landesvorstands vor. Die meisten Vorstandsmitglieder (auch der damalige Beisitzer Marcus Pretzell) folgten dem. Nur Martin Renner und ein weiterer Kollege wollten unbedingt bis zum Ende ihrer regulären Amtszeit durchmachen. Die Partei sah das anders. Sie wollte nur zwar keinen Dilger mehr. aber immer noch keinen Polarisierer oder Ideologen, sie wollte erst mal einen Neuanfang, einen der sie wieder aufrichtet und zusammenhält, einen Bürokraten wie Jörg Burger.  Renner war am absoluten Tiefpunkt angelangt, er war draußen.

Ein anderer hätte an dieser Stelle vielleicht eine neue Partei gegründet. Nicht so Martin Renner. Er blieb in der AfD, wirkte im Hintergrund. Und holte am 27.März 2014 Nigel Farage nach Köln. Das war schon ein Coup – Kontakte zu ausländischen Parteien im Algemeinen und zur United Kingdom Independence Party (UKIP) im Besonderen wurden vom damaligen AfD-Bundesvorstand absolut nicht gebilligt. Offiziell organisiert wurde die Veranstaltung allerdings von der Jungen Alternative NRW. Die war zu dem Zeitpunkt noch nicht als offizielle AfD-Jugendorganisation anerkannt und konnte also machen was sie wollte. Martin Renner als Vorredner ließ, unter Applaus der meisten Besucher, keinen Zweifel daran dass AfD und UKIP für ihn die geborenen Partner darstellen (vor Renner sprach auch Marcus Pretzell, damals AfD-Bundesvorstands-Beisitzer. Er wahrte jedoch eine kritische Distanz zu Farage).

Und dann kam der 28. August 2015: Landesparteitag in Bottrop. Die Partei war mittlerweile eine andere. Bernd Lucke und Alexander Dilger waren nicht mehr (und Jörg Burger schon länger nicht mehr), Marcus Pretzell war mittlerweile nicht nur Europa-Parlamentarier, sondern seit dem 7. Juni 2014 auch Chef der NRW-AfD. Alleinige Chefs waren aber mittlerweile out  Es wurde also beschlossen, dass auch die NRW-AfD künftig von einer Doppelspitze geführt werden soll. Zunächst gelang Marcus Pretzell ohne Gegenkandidaten die Wiederwahl. Und dann kam Martin Renner, setzte sich mit 59,4% gegen einen Mitbewerber durch, und stand fortan offiziell gleichberechtigt neben Pretzell an der Spitze.

Aber auch dann blieb es ruhig um Renner. Pretzell hatte die Fäden in der Hand, spann seine Netzwerke im In- und Ausland, heiratete AfD-Bundessprecherin Frauke Petry. Auch die Medien ignorierten Renner, er taugte für sie wohl noch nicht mal zum rechten AfD-NRW-Schreckgespenst (auch da hatte Pretzell die Nase vorn, nach seiner Schusswaffen-Äußerung und dann dem gemeinsamen Auftritt mit Geert Wilders und Marine Le Pen in Koblenz). Auf der Liste der AfD zur Landtagswahl 2017 taucht Martin Renner nicht auf.

Die Aufstellung der Liste zur Landtagswahl bedeutete allerdings eine Zäsur. Die Partei verlor wohl endgültig die Illusion, besser als die Altparteien zu sein, in welchen doch alles nur ein abgekartetes Spiel ist. Ja, die AfD gab sich viel Zeit, insgesamt 5 Wochenenden, an denen wirklich jeder, der sich zum Landtagseinzug berufen fühlte, seine paar Minuten Ruhm abholen konnte. Aber gewählt wurden, zumindest auf den aussichtsreichen vorderen Plätzen, dann doch diejenigen, welche auf der Pretzell-nahen Empfehlungsliste standen. Rein rechtlich ist dagegen nichts zu sagen: Letztendlich hatte ja niemand die Delegierten gezwungen, sich strikt an das zu halten was ihnen da als Empfehlungen auf ihre Smartphones gewhatsapped wurde. Aber ein Unbehagen blieb, und Martin Renner kam aus der Deckung und unterstützte zumindest anfänglich eine (allerdings ziemlich fragwürdige) Initiative zur kompletten Neuwahl der Landesliste. Darauf sollte ihn der Bannstrahl treffen – der komplette übrige Vorstand beantragte auf dem Landesparteitag am 28. Januar 2017 seine Abwahl. Das Vorhaben scheiterte jedoch – nur 54% der Delegierten votierten für Renners Abwahl, die notwendige Zweidrittelmehrheit wurde verfehlt. Und am 25. Febuar 2017 in Essen kippte die Stimmung dann völlig – 179 Stimmen für Martin Renner, 167 für seinen von Marcus Pretzell aus Hamburg importierten Gegner Kay Gottschalk. Renner ist damit Spitzenkandidat der AfD NRW zur Bundestagwahl, Marcus Pretzell (seinerseits Spitzenkandidat zur vorhergehenden Landtagswahl) schwer angeschlagen.

Damit hat es Martin Renner also geschafft. Und irgendwie war es für viele ein Befreiungsschlag. So wie man 2015 meinte, sich aus der Gängelei durch Bernd Lucke befreien zu müssen (der aber wenigstens der Partei umfassende inhaltliche Impulse gegeben hatte), traf es nun Marcus Pretzell, und damit wohl indirekt auch Frauke Petry. Man muss wohl kein Prophet sein, um vorauszusagen dass Martin Renner im Wahlkampf vor allem den Islam zum Thema machen wird (hier holt Pretzell manchmal allerdings auch aus mit seiner wiederholten Forderung nach Verbot der DITIB). Martin Renner dürfte aber auch im traditionellen SPD-Lager punkten (was in NRW ja offenbar von Vorteil ist) – er gibt sich als überzeugter Anhänger der katholischen Soziallehre. Etwas intellektuell anspruchsvoller als die Tiraden von Björn Höcke (mit dem Renner insgesamt sympathisiert) sind die Beiträge von Martin Renner in der Regel durchaus – wenn man den gewillt ist, ihm bis zum Ende zuzuhören.

 

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