Konrad Adam zum Daseinszweck der AfD

Spätestens seit den denkwürdigen Landtagswahlen am 13.3.2016 tauchen in den Medien immer neue Horrormeldungen auf, was die Alternative für Deutschland angeblich plant. Als ob es sich bei der AfD um eine homogene, treu zu ihrem Führer (oder ihrer Führerin) und zu dessen (oder deren) ausgefeilten Plan stehende Masse handelt. Konrad Adam hat dem in der Jungen Freiheit vom 2. April 2016 nun einen lesenswerten Kommentar entgegengesetzt. Adam war von der AfD-Gründung 2013 bis zum Essener Parteitag 2015 einer der drei Parteisprecher (neben Bernd Lucke und Frauke Petry). Seitdem ist er in keiner Funktion mehr, aber trotz gewisser Ressentiments nach dem Essener Parteitag (und Ungnade im heimischen Hochtaunus nach ausgesprochener Kritik an Björn Höcke) offenbar immer noch dabei.

Selbst mit 24,3% in Sachsen-Anhalt ist die AfD weit davon entfernt, irgendetwas allein durchsetzen zu können. Insofern sollte man wohl nicht jedes Wort des Programms auf die Goldwaage legen, sondern besser die dahinterstehende Philosophie betrachten und hinterfragen. Konrad Adam sieht die AfD im Geist des englischen Philosophen Michael Joseph Oakeshott (1901-90). Dieser beschieb in seinem Essay „On Being Conservative“ den Konservativen als einen Menschen, der das Vertraute dem Unbekannten vorzieht, das Erprobte dem Unerprobten, das Gegebene dem Verborgenen, das Nächstliegende dem Entfernten, das Vorhandene dem Möglichen, das Begrenzte dem Unbegrenzten, das Brauchbare dem Vollkommenen „und die Fröhlichkeit dem utopischen Glück“  (im Original „present laughter to utopian bliss“). Der Konservative reagiert lieber mit Nüchternheit und Augenmaß auf sich stellende Probleme, anstatt stoisch irgendwelche Projekte zur Weltverbesserung abzuarbeiten. Laut Konrad Adam kam die CDU jahrzehntelang prima ohne ein Programm aus.

Im ersten Kapitel des  AfD-Programms heißt es: „Wir glauben nicht an die Verheißungen politischer Ideologien oder an die Heraufkunft eines besseren, eines neuen Menschen“. Und im Folgenden ist die AfD dann eher bemüht, Luftschlösser einzureißen anstatt neue zu errichten. Was natürlich nicht gerade auf Beifall stößt in einer intellektuellen Sphäre, welche das visionäre Streben geradezu zum Daseinszweck von Staat, Parteien und Medien erhebt. Aus der Sicht Adams ist das konservative Ideal, für welches die AfD stehen sollte, der starke, aber schlanke Staat. Ein Staat über den Verbänden, Lobbyisten und Parteien.

Und hier kommt laut Adam der zweite Daseinszweck der AfD: Den Parteibetrieb aufzumischen. Die AfD wäre nicht die erste Partei mit dieser Absicht: da waren die Grünen, die Statt Partei, die Piraten … Und auch die AfD steht letztendlich vor dem Dilemma, selbst eine Partei zu sein, die mit anderen Parteien mithalten und selbst alle Möglichkeiten des Parteibetriebs nutzen muss. Jetzt, wo die AfD in 8 von 16 Landesparlamenten sitzt, muss sie laut Adam beweisen, dass sie es ernst meint mit ihren Bekenntnissen zur Gewaltenteilung und zur Trennung von Amt und Mandat (wobei man jetzt diskutieren könnte ob Adam hier ganz umkonservativ eine dogmatische Sicht auf die Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive verfolgt).

Insgesamt ist Konrad Adams Analyse der AfD als konservativer Partei schon treffend, die Frage ist aber: Kann man sowas wählen? Sind Visionen nicht vielmehr notwendig? Eine einheitliche Antwort gibt es darauf wohl nicht. Natürlich hat es nach dem 2. Weltkrieg einer Vision bedurft, um Europa zusammenzuführen. Welche aber sinnvollerweise auf den vorhandenen Gemeinsamkeiten aufbauen musste anstelle auf utopischer Gleichmacherei. Griechenland braucht eine Vision – und wird sie nicht finden solange das Land in panischer Angst vor Durchtrennung der Rettungsschirm-Nabelschnur verharrt. Die Nutzung von Sonnenenergie statt endlicher schmutziger Brennstoffe ist eine schöne Vision – für die Länder mit hoher Sonneneinstrahlung. Weltverbesserung ist eine schöne Version – aber die Welt wird nicht besser wenn Deutschland sich verschlechtert.

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