Bonnie und Clyde

Zuletzt lief es für die AfD so gut, sie konnte sich eigentlich nur noch selbst ins Bein schießen. Was prompt geschah. Was auch immer Frauke Petry und Marcus Pretzell dazu bewegte, in der Flüchtlingspolitik verbal Bonnie und Clyde zu spielen, es war nicht ihre beste Idee (und dass Beatrix von Storch noch einen draufsetzte, geschenkt, sie ist ohnehin völlig schmerzfrei in ihren Statements). Sicher, man kann sich Szenarien ausdenken, in welchen Warnschüsse oder mehr gegen Grenzverletzer (wenn auch nicht unbedingt gegen Flüchtlinge) tatsächlich notwendig sind und auch mit den bestehenden Gesetzen konform gehen: Die innere Ordnung Österreichs bricht nach der Auslöschung der Elite des Landes völlig zusammen, die Schweiz erklärt Deutschland den Krieg und lässt die Kavallerie aufmarschieren, die Niederlande unterliegen Deutschland knapp im WM-Finale (siehe unten). Aber dann sollte man sich als Romanschriftsteller betätigen und nicht als Politiker. Momentan ist Deutschland weder von Feinden noch von Failed States umgeben, und es gibt effektivere Mittel zur Bewältigung der Flüchtlingskrise als einen verteidigten Zaun am linken Ufer des Inns.

Die empörten Reaktionen der Etablierten und der Medien auf diesen Schuss in den Ofen waren aber natürlich völlig überzogen. Als ob ein AfD-Parteitag den totalen Krieg ausgerufen und gedroht hätte, ab 5:45 Uhr zurückzuschießen. Um es noch mal zu betonen: Pretzell, Petry etc. gingen wohl davon aus aus dass der Grenzschutz tatsächlich auch nach geltenden Gesetzen rabiate Maßnahmen gegen diejenigen erlaubt, welche der Aufforderung zum Stehenbleiben nicht Folge leisten (wie die Rechtslage tatsächlich ist, wird hier gut erklärt). Das mag dämlich sein, aber Dämlichkeit ist kein Fall für den Verfassungsschutz. Dieser hatte auf die entsprechenden Forderungen SPD-Gabriels nach AfD-Beobachtung bereits ablehnend reagiert, und in der Tat, wenn der Verfassungsschutz sich mit jedem befassen müsste, der in Bierseligkeit meint, sich „gegen die Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme bis zur letzten Patrone wehren“ zu müssen (Horst Seehofer, CSU, 2011), hätte er viel zu tun.

Also noch mal zur Beruhigung für alle Alpenwanderer und alle Kanuten auf dem Inn: Die Alternative für Deutschland fordert keinen Schießbefehl. Nicht gegen Flüchtlinge. Nicht gegen Pinocchio-Journalisten. Nicht gegen Mitglieder der Altparteien, oder gegen diejenigen, welche den Altparteien Räumlichkeiten zur Verfügung stellen oder in deren Auftrag Plakate aufhängen. Gegen niemanden!

PS: Das mit dem Grenzkonflikt nach einem WM-Finalspiel Niederlande gegen Deutschland war natürlich ein Scherz. Einen „Fußballkrieg“ hat es allerdings tatsächlich schon einmal gegeben: Nach dem 3:2-Sieg El Salvadors gegen Honduras am 26. Juni 1969 im entscheidenden Qualifikationsspiel für die Fußball-WM 1970 in Mexiko kam es in Honduras zu schweren Ausschreitungen gegen Salvadorianer, woraufhin El Salvador in Honduras einmarschierte.

4 Gedanken zu „Bonnie und Clyde

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