Deutsche Opfer bei islamistischen Anschlägen

War das Bombenattentat von Istanbul, welches nach jüngsten Angaben 10 deutsche Opfer forderte, gezielt gegen Deutschland gerichtet? Wie zum Beispiel die linke Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen meinte, welche deshalb gleich mal den deutschen Militäreinsatz in Syrien in Frage stellte? Oder hat sich der Attentäter einfach die erste beste Reisegruppe ausgesucht? War es möglicherweise ein sehr kurzfristig gefasster Entschluss, gerade diese Gruppe zu treffen (nach einigen Medienberichten war der Attentäter kurz vor der Tat von der Polizisten angehalten worden, weil er ihnen verdächtig vorkam)? Wie auch immer, Deutschland ist nicht immun gegen islamistische Anschläge, mit oder ohne Syrien-Einsatz.

Deutschland ist zwar bislang weitestgehend von islamistischen Attentaten auf eigenem Boden verschont geblieben: beim einzigen tödliche Attentat auf deutschem Boden starben am 2. März 2011 zwei US-amerikanische Soldaten (ältere Ereignisse wie die Olympia-Geiselnahme von München am 5. September 1972, und der Anschlag auf die Diskothek La Belle in Berlin am 5. April 1986, werden hier nicht betrachtet, da sie, obgleich von Muslimen verübt, doch in einem etwas anderen Kontext stattfanden). Allerdings gab es seit dem 18.9.1997 mindestens 53 deutsche Opfer bei mindestens 8 islamistischen Anschlägen im Ausland. Bei drei dieser acht Anschlägen kamen mehrheitlich Deutsche ums Leben (aber wie in Istanbul ist es auch bei den anderen beiden Anschlägen in Tunesien und Ägypten denkbar, dass einfach die erste beste Reisegruppe unabhängig von ihrer Nationalität zum Opfer wurde), bei keinem davon jedoch ausschließlich Deutsche. Hier die Liste in absteigender Reihenfolge der deutschen Todesopfer:

  • 11.04.2002, Djerba (Tunesien): Ein mit 5000 Litern Flüssiggas beladener Laster fuhr gegen die Al-Ghriba-Synagoge und explodierte. Dabei starben 19 Touristen, welche diese Synagoge gerade besuchten, 14 von ihnen stammten aus Deutschland. Etwa 30 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei diesem Anschlag mit den bislang meisten deutschen Opfern, besteht wohl insofern auch ein direkter Bezug zu Deutschland, als das deutsche Al-Qaida-Mitglied Christian Ganczarski vor dem Anschlag nachweislich mit dem Selbstmord-Attentäter Nizar Nawar telefonierte. Ganczarski flüchrete anschließend nach Saudi-Arabien, wurde 2003 jedoch nach Deutschland ausgewiesen, kam dort jedoch nie an, sondern wurde bei der Zwischenlandung in Paris festgenommen. Hier wurde er am 5. Februar 2009 wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 18 Jahren Haft verurteilt.
  • 11.09.2001, New York (USA): Unter den fast 3.000 Todesopfern der Anschläge des 11. September waren 11 Deutsche.
  • 12.01.2016, Istanbul (Türkei): Bei einem Terroranschlag auf dem Sultan-Ahmed-Platz starben 11 Touristen (und der Attentäter), 15 wurden verletzt. 10 Todesopfer waren Deutsche, zum elften gibt es widersprüchliche Angaben, manche Medien sprechen von einem Norweger, andere von einem Peruaner.
  • 18.09.1997, Kairo (Ägypten): Islamische Terroristen beschossen einen Reisebus auf dem Tahrir-Platz vor dem Ägyptischen Museum, und setzten den Bus mit Molotowcocktails in Brand. 9 Deutsche und der ägyptische Busfahrer starben, 26 weitere Personen wurden verletzt.
  • 17.11.1997, Luxor (Ägypten): Sechs mit automatischen Waffen und Messern ausgerüstete Terroristen der Gruppe Gamaa Islamija attackierten über etwa 45 Minuten Touristen, die sich auf der zweiten Empore des Totentempels der Hatschepsut in Deir el-Bahari aufhielten. 62 Personen starben, darunter 36 Schweizer, 10 Japaner, 6 Briten, 4 Deutsche, 2 Kolumbianer und 4 Ägypter (drei Polizisten und ein Reiseführer). Zahlreiche Körper, vornehmlich die von Frauen, wurden mit Macheten verstümmelt. Eine den Islam preisende Handschrift wurde in einem ausgeweideten Körper deponiert. Zwölf Schweizer, zwei Japaner, zwei Deutsche, ein Franzose und neun Ägypter wurden verwundet. Einer der Gründer der Gamaa Islamija, Adel al-Chajat wurde am 16. Juni 2013 durch den mittlerweile gestürzten islamistischen Präsident Mohammed Mursi zum Gouverneur der Provinz Luxor ernannt. Dies sorgte allerdings für wütende und tels gewaltsame Proteste in Luxor, sieben Tage später legte Al-Chajat sein Amt nieder.
  • 13.11.2015, Paris (Frankreich). Unter den über 130 Opfern der Pariser Anschläge waren auch 2 Deutsche.
  • 26.06.2015, Port El-Kantaoui (Tunesien). Ein Attentäter schoss auf dem Badestrand vor einem Hotel mit einer Kalaschnikow um sich. 38 Touristen starben, darunter 2 Deutsche. Unter den Verletzten sind ebenfalls 2 Deutsche.
  • 26.01.2008, Mumbai (Indien). In der indischen Metropole Mumbai kam es an zehn unterschiedlichen Stellen innerhalb kurzer Zeit zu 17 Explosionen, Angriffen mit Schnellfeuerwaffen und Geiselnahmen, welche insgesamt mindestens 174 Opfer, darunter 18 Ausländer forderte. Hier starb 1 Deutscher: der Unternehmer Ralph Burkei, welche gerade im Hotel Taj Mahal, einem der Anschlagsziele, Urlaub machte. Bei einem Versuch, über die Fassade zu flüchten, stürzte er ab und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Münchner politische Aktivist Michael Stürzenberger bezeichnete wiederholt den Tod seines damaligen CSU-Parteifreunds Burkei als prägendes Ereignis, welches schließlich zu seinem anti-islamischen Engagement führte.

 

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