1 Jahr BIG „Homosexuelle in der AfD“

AfD Kompakt, die (als PDF abrufbare) Zeitschrift der Alterative für Deutschland, informierte in ihrer Ausgabe 17/15 (17. November 2015) über den ersten Geburtstag der im Oktober 2014 gegründeten Bundesinteressengemeinschaft (BIG) „Homosexuelle in der AfD“, der ersten anerkannten BIG der AfD. Homosexuelle und AfD, da war doch neulich was – ja richtig, die Kleine Anfrage der thüringischen AfD-Landtagsabgeordneten Corinna Herold vom 1. September 2015, wie viele Homosexuelle denn so in Thüringen leben. In der Tat eine interessante Frage. Eine Frage, die weitere Fragen aufwarf. Zum Beispiel, warum hat sie die Frage gestellt? Hier beantwortet sie die Frage selbst, aber dazu mehr weiter unten.

Anlässlich der Gründung der BIG „Homosexuelle in der AfD“ im Oktober 2014 musste die Rosa Nostra konstatieren „dass es auch schwule Männer gibt, die nicht über die gute alte Zeit hinwegkommen, als Schubert cooler war als Mykki Blanco, und man sich nicht auf dem CSD entblößt hat“ (Vice 13.10.2014). OK, es war nicht der erste Schocker für diejenigen, die glauben dass nur ein links-grüner Schwuler ein richtiger Schwuler ist (für Lesben gilt entsprechendes). Da waren jene 600 Unterstützer-Unterschriften für den Wahlantritt zur Bundestagswahl, welche die AfD Berlin ausgerechnet auf dem lesbisch-schwulen Motzstraßenfest am 15./16.6.2013 feierte (und damit auch manchen AfDler überforderte). Und im Mai 2014 wurde dann ein Arbeitskreis „Homosexuelle in der AfD“ gegründet (aus dem die jetzige BIG hervorging), die Rosa Nostra deckte zu ihrer eigenen Beruhigung aber schnell auf dass dieser AK zum Teil von Heteros geführt wurde.

Bundessprecher der BIG „Homosexuelle in der AfD“ sind Mirko Welsch, Bezirksrat in Saarbrücken, und Alexander Tassis MdBB: Eine der Ironien wie sie die AfD immer wieder mal schreibt, ist die Tatsache dass ausgerechnet der „schwule Grieche“ als einziger von ursprünglich vier Bremer AfD-Bürgerschaftsabgeordneten der Partei treu blieb (die anderen drei sind momentan die einzigen ALFA-Landtagsabgeordneten. Denn die drei Thüringer AfD-Abtrünningen haben sich ALFA bisher nicht angeschlossen bzw. in einem Fall diese Partei sogar schon wieder verlassen).

Was macht die BIG „Homosexuelle in der AfD“ so? Sie hat eine Facebook-Seite. Auf welcher ihre Mitglieder erklären, warum sie keine linksgrünen Schwulen sind (es hat u.a. etwas mit Islam zu tun. Für eine entsprechende Kampagne von und für Lesben scheinen noch die Mitstreiterinnen zu fehlen). Der neue Kampfspruch lautet „Schwule gegen den Gender-Wahn, Migranten gegen Multi-Kulti“. Ansonsten will sie (laut AfD Kompakt 17/15) eine andere – Anti-Gender gegründete  – Minderheitenpolitik anstoßen und die Partei vor Homophobie-Vorwürfen schützen. Ob und inwieweit sie sich auch gegen tatsächliche Homophobie in der AfD engagiert wird nicht erwähnt.

Diese mittlerweile beantwortete Kleine Anfrage von Corinna Herold befand die BIG jedenfalls für harmlos. Und ja, aus dem Zusammenhang heraus ist sie in der Tat nicht so dramatisch. Immerhin wollte Corinna Herold ja nicht nur wissen, wie viele LSBTI ( steht für „Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Intersexuelle“) es in Thüringen überhaupt gibt, sondern auch, wie viele Fälle von Diskriminierung dieser Personengruppe seit dem Jahr 1991 bekannt wurden (Antwort: Eine solche Statistik wird in der Thüringer Landesverwaltung nicht geführt, es gibt lediglich die Kategorie Hasskriminalität (sexuelle Orientierung), und hier wurde ein Fall wegen des Verdachts der Volksverhetzung im Jahr 2013 registriert). Und natürlich ist die Frage prinzipiell berechtigt, wie viele LSBTI potentiell von geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung der Diskriminierung dieser Personengruppe profiteren (denn in dem Zusammenhang erfolgte die Anfrage).  Aber vielleicht wäre es trotzdem besser gewesen, Corinna Herold hätte auf Wikipedia nachgeschaut und mit den dortigen Prozentzahlen ein wenig gerechnet (im 2,157 Mio. Einwohner starken Thüringen dürften es demnach irgendwo um die 50-100.000 Homosexuelle sein, genauer weiß es niemand) anstatt die Landesregierung zu befragen.

Wie auch immer: Wenn es die Partei erlaubt, werden wir von Alexander Tassis vielleicht zukünftig mehr interessante Dinge hören. Hier nur ein Zitat zum Abschluss (Vice 13.10.2014): „Wir wollen in der homosexuellen Emanzipation die ganzen Konzepte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wieder aufnehmen. Das ist leider in der Nazi-Zeit verlorengegangen und auch nicht von den linkeren Schwulenverbänden aufgegriffen worden. Zum Beispiel hat Karl Heinrich Ulrichs vor dem deutschen Juristentag 1867 die Einführung einer Art eingetragener Lebenspartnerschaft gefordert. Ein wunderschönes Konzept, das in der Romantik fußt“. Mehr Romantik wagen.

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