Parlamentswahlen in der Türkei: wie haben die Deutsch-Türken gewählt?

Am 1. November 2015 fanden in der Türkei vorgezogene Wahlen zur 26. Großen Nationalversammlung statt. Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP), die seit der letzten Wahl im Juni 2015 eine Minderheitsregierung stellte, erlangte mit 49,5% der Stimmen die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Etwa 4,8 Millionen mehr Wähler machten ihr Kreuz bei der AKP als im Juni 2015, während die Anzahl der gültigen Stimmen insgesamt nur um etwa 1,7 Millionen stieg. Verlierer war vor allem die rechts-nationalistische Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP, 11,9%), welche 1,8 Millionen Wähler verlor. Auch die kurdische Partei Demokratische Partei der Völker (HDP, 10,8%), welche aufgrund mangelnder anderer Alternativen aber auch Stimmen liberal- und linksorientierter ethnisch türkischer Wähler auf sich zieht, erhielt diesmal etwa 900.000 Stimmen weniger, während die kemalistisch-sozialdemokratische Republikanische Volkspartei CHP (25,0%) etwa 600.000 Stimmen hinzu gewann. Andere Parteien (2,6%) zogen nicht ins Parlament, auch aufgrund der sehr hohen 10-Prozent-Sperrklausel.

Auch die im Ausland lebenden Türken durften wählen, und somit fand auch in Deutschland Wahlkampf statt. Laut dieser umfassenden Ergebnis-Übersicht haben in Deutschland 569.886 Türken eine gültige Stimme abgegeben, davon 340.249 für die AKP. Die Wähler in Deutschland haben damit einen Anteil von etwa 1,2% am Gesamtergebnis von 47,8 Millionen gültigen Stimmen (mehr gültige Stimmen als bei Bundestagswahlen in Deutschland, siehe unten!), wobei AKP (59,7% ,1,4% deutsch-türkische AKP-Wähler relativ zu allen AKP-Wählern) und vor allem auch HDP (15,9%, 1,8%) überproportional häufig gewählt wurden, MHP (7,5, 0,7%) und CHP (14,8%, 0,7%) und andere Parteien (2,1%, 1,0%) hingegen unterdurchschnittlich. Wäre die AKP bei der Bundestagswahl 2013 angetreten und hätte die selbe Anzahl Wähler erreicht, hätte sie etwa 0,8% der insgesamt 43,7 Millionen gültigen Zweitstimmen geholt, bzw. eine hypothetische “Vereinigte Türkenpartei” (also die Stimmen aller deutsch-türkischen Wähler zusammen) etwa 1,3%.

Anm: Es liegen keine Angaben vor wie viele der türkischen Wähler in Deutschland auch die deutsche Staatsbürgerschaft und damit das Wahlrecht in Deutschland haben. Die Zahlenverhältnisse sind jedoch so dass die Prozentzahlen bis zur ersten Stelle nach dem Komma die selben sind, egal ob man nun die türkischen Wähler zu den 43,7 Millionen gültigen Zweitstimmen der Bundestagswahl 2013 hinzuzählt (also annimmt dass sie bisher alle nicht in Deutschland wahlberechtigt waren, aber wahlberechtigt werden im Fall der allgemeinen Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft) oder nicht (also wenn man annimmt dass sie alle schon die doppelte Staatsbürgerschaft haben und bei der Bundestagswahl 2013 eine gültige Stimme abgaben).

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