AfD NRW: Martin Renner hat es endlich doch geschafft

Update: Und er hat inzwischen noch mehr geschafft: Seit dem 25.2.17 ist Martin Renner Spitzenkandidat der AfD NRW zur Bundestagswahl.

Geduld zahlt sich eben manchmal aus: Seit Samstag, 28. August 2015, ist Martin Renner nun endlich was er schon lange sein wollte, nämlich Chef der AfD NRW. Nicht alleine sondern in einer (erstmals eingeführten) Doppelspitze gemeinsam mit dem bisher alleinigen NRW-Landessprecher Marcus Pretzell. Martin Renner setzte sich mit 59,4% gegen einen Mitbewerber durch.

Update: Hier findet man die Parteitags-Rede von Martin Renner als Text und auf Youtube (22 min).

Martin E Renner (E für Erwin) war bisher einer der vergessenen Gründerväter der AfD: von ihm stammen insbesondere der Namensvorschlag “Alterative für Deutschland” und das AfD-Logo mit rotem Pfeil auf blauem Hintergrund.  Allerdings konnte er sich bei parteiinternen Wahlen bisher kaum durchsetzen. Auf dem Gründungsparteitag des Landesverbands NRW der Alternative für Deutschland am 12. April 2013 in Rommerskirchen (welcher von Renner organisiert wurde) unterlag er bei der Wahl zum Sprecher Alexander Dilger (welcher nicht mehr der AfD angehört). Damals erschien der Mehrzahl der anwesenden Mitglieder ein Professor für Wirtschaftsökonomie, welcher so absolut nicht in das Medien-Klischeebild der Alternative für Deutschland passte, als deutlich geeigneter für den Sprecher-Posten als der Radikal-Konservative Martin Renner, welcher sich als Rechter bekannte und „rechts“ wieder einen guten Namen geben wollte (dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, letztendlich ist es eine Definitionsfrage, wo genau „rechts“ ist, aber er hat/hätte einen Großteil der Mitglieder und Wähler damit deutlich überfordert). Und auch sein etwas arrogantes Auftreten und insbesondere die konsequente Überschreitung der zugestandenen Redezeit bei fast jedem Auftritt überzeugten nicht gerade. Martin Renner musste sich somit erst einmal mit einem Stellvertreter-Posten und dem Platz 7 auf der Landesliste NRW zur Bundestagswahl 2013 begnügen.

Der absolute Tiefpunkt Renners kam auf dem darauffolgenden NRW-Landesparteitag am 30. November 2013. Angesichts des in NRW besonders mageren Bundestags-Wahlergebnisses und zunehmenden Vorstands-internen Querelen schlug Landessprecher Alexander Dilger den kompletten Rücktritt des Landesvorstands vor. Die meisten Vorstandsmitglieder (auch der damalige Beisitzer Marcus Pretzell) folgten dem auch, nur Martin Renner und ein weiterer Kollege wollten unbedingt bis zum Ende ihrer regulären Amtszeit durchmachen. Die Parteitagsdelegierten sahen das aber anders, und der Arnsberger Parteitag kam dann einem Exorzismus gleich.

Ein anderer hätte an dieser Stelle vielleicht die AfD verlassen und eine neue Partei gegründet. Nicht so Martin Renner. Dem angeblichen Lenin-Zitat folgend, wonach die größte Tugend des Revolutionärs die Geduld ist, wirkte er erst mal im Hintergrund. Sein größter Coup war wohl die Mit-Organsation der kontroversen Veranstaltung in Köln am 27. März 2014 mit Nigel Farage, Chef der United Kingdom Independence Party (UKIP). Derartige Kontakte wurden vom  damaligen AfD-Bundesvorstand nicht gebilligt (die Junge Alternative NRW als offizieller Veranstalter war zu dem Zeitpunkt noch nicht als offizielle AfD-Jugendorganisation anerkannt und somit unabhängig). Als Vorredner von Farage traten Martin Renner und Marcus Pretzell auf, also das jetzige NRW-Sprecher-Paar. Pretzell war damals AfD-Bundesvorstands-Beisitzer und erhielt entsprechend eine Verwarnung des Bundesvorstands (eine von vielen Verwarnungen die ihm irgendwo vorbeigingen). Das Auftreten beider war aber schon unterschiedlich: Pretzell wahrte eine kritische Distanz zu Farage und sah als Ziel der AfD eine Reform der EU, und nicht wie Farage den Austritt aus selbiger. Renner hingegen ließ keinen Zweifel daran dass AfD und UKIP für ihn die geborenen Partner darstellen (auch wenn er die Erfolgsaussichten von UKIP bei der anstehenden Unterhauswahl am 7. Mai 2015 wohl überschätzte).

Aber wie auch immer, Geduld zahlte sich für Martin Renner aus, die Zeit (und die Austrittswelle nach der Richtungsentscheidung in Essen) arbeiteten für ihn, und er ist jetzt endlich Chef der AfD NRW, gemeinsam mit Marcus Pretzell. Aber genau wie für Pretzell gilt: Wichtig ist letztendlich auf dem Platz. Während für die Medien bisher Marcus Pretzell das rechte AfD-NRW-Schreckgespenst abgab (ohne selbst viel dafür zu tun), haben sie mit Martin Renner jetzt einen viel besseren Kandidaten, der diese Rolle auch noch bereitwillig spielen wird, im festen Vertrauen darauf dass ein Großteil der Wähler genau das will. Mal sehe wie gut sich die Paarung Pretzell-Renner schlägt (in welcher Pretzell jetzt auf einmal der „Gemäßigte“ ist) und was sie bewirken kann. Zusammenhalten wird sie wohl so lange, wie beide der Überzeugung sind, aufeinander angewiesen zu sein.

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6 Gedanken zu „AfD NRW: Martin Renner hat es endlich doch geschafft

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  4. Sehr geehrter H. Renner,
    das wichtigste welches die älteren Mitmenschen interessiert ist, wann Pakt Ihr die Ungerechtigkeit in den Renten und Pensionen an. Wir Arbeiter Kürzungen 50% Pensionen steigen
    70% und Berechnung nach Beförderung. Das birgt enormen Zündstoff bei den Alten.
    Ich betreue als Arzt viele Alte. Das ist die tägliche Frage ? Warum können die sich das leisten,
    und wir müssen nach 40 Jahren (alte Witwen) beim Staat betteln.
    Für die ist das Thema vorrangig vor allen anderen.
    MfG.
    Dr.rer.Dr.nat. K. Petri

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