Das Rennen um BaWü oder Die ganz große Anti-Gender-Keule

Seit die ALFA-Tiere weg sind, geht es wunderbar harmonisch zu in der AfD: sogar 100%ige Zustimmungen zu Parteitags-Beschlussvorlagen, bei welchen man vor einem Monat noch bis aufs Messer gestritten hätte ob sie nicht vielleicht doch zu „rechts“  sind, sind auf einmal möglich. Und Einigkeit hat die AfD bitter nötig, bis zum 13. März 2016 muss die AfD genügend Wähler in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt davon überzegen, dass sie alles andere als untergegangen ist und einig und stark wie nie zuvor für die gerechte Sache kämpft. In BaWü holte man zu diesem Zweck jetzt die ganz große Keule raus.

Besonders in  BaWü gibt es ein potentiell wahlentscheidedes Thema, wo die AfD sich deutlich von den Etablierten unterscheiden kann: “Gender”. In BaWü gingen 2014 und 2015 signifikante Menschenmengen gegen oder auch für den “Bildungsplan 2015″ auf die Straße, das Thema ist hochemotional (und es sind in der Regel die emotionalen Themen, welche entscheiden, wo der Wähler sein Kreuz macht). Also verabschiedete die AfD Baden-Württemberg auf ihrem Landesparteitag am 25./26. Juli 2015 mit 100%iger (!) Zustimmung eine (hier als PDF vorliegende) Beschlussvorlage, in welcher zum Rundumschlag ausgeholt wird. “Gender Mainstreaming” als durchgängiges politisches Leitprinzip sei “auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden”. Und darunter versteht die AfD BaWü sehr viel: selbst das Bundesgleichstellungsgesetzes (BgleiG) und das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) gehören ersatzlos abgeschafft. Nun ja – vielleicht sind Parteiprogramme sowieso überbewertet, entscheidend für den Wahlerfolg ist dass die Emotionen geweckt werden. Und das hat man sicher geschafft: Die „Rosa Nostra“ schäumt bereits über die strikte Ablehnung „jeglicher staatlichen Propaganda – in Schulen, den Massenmedien oder im öffentlichen Raum –für bestimmte sexuelle Orientierungen oder Verhaltensweisen“ (die Förderung der klassischen Familie ist davon natürlich ausgenommen).

Interessant wird nun, wie ALFA sich positioniert. BaWü wird sicher zum Hauptschlachtfeld zwischen AfD und ALFA, Denn hier hat ALFA wohl die besten Chancen, ihren bisher 4 Landtags-Konvertiten (3 x Bremen, 1 x Thüringen. Weitere ALFA-Eintritte in Thüringen und Hamburg nicht ausgeschlossen) auch tatsächlich gewählte Landtagsabgeordnete hinzuzufügen. Aus BaWü stammen mit Bend Kölmel und Joachim Starbatty zwei der fünf abtrünnigen Ex-AfD-Europaparlamentarier, aber auch AfD-Co-Chef Jörg Meuthen, das neue liberale Aushängeschild der AfD (in jedem Fall hat die 100%ige Zustimmung auch des „liberalen Flügels der AfD“ zur oben beschriebenen Beschlussvorlage dann wieder mal bewiesen, dass liberal im liberalen Sinne nicht nur liberal ist). Einerseits könnte ALFA nun all jene Eurokritiker einsammeln, die nichts gegen eine CSD-Parade einzuwenden haben (und ja, die gibt es, denn Finanzkrisen machen nun mal auch vor den Portemonnaies der Schwulen und Lesben nicht halt). Andererseits hat Ober-ALFA-Tier Bernd Lucke bereits mehrfach verkündet dass er und AfD-Chefin Frauke Petry sich im Bereich der Familienpolitik praktisch nicht unterscheiden. ALFA will am 23.8.15 in Baden-Württemberg ihren ersten Landesverband gründen. Wir sind gespannt.

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