Polen: EKR-Fraktionskollege Andrzej Duda gewinnt Präsidentschaftswahl

Andrzej Duda

Nach den britischen Unterhauswahlen noch ein Wahlerfolg für eine Mitgliedspartei – und besonders auch ein Mitglied – der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR). Der erst 43 Jahre alte Andrzej Duda gewann mit 35% in der ersten Runde und 52% in der Stichwahl überraschend die polnische Präsidentschaftswahl gegen den Amtsinhaber Bronisław Komorowski (1. Runde 34%). Seine Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość, PiS) stellt damit, momentan als einzige EKR-Partei, demnächst das direkt gewählte Staatsoberhaupt ihres Landes. Die 19 über die Liste von PiS gewählten Europaabgeordneten sind, nach den britischen Konservativen (20), die größte Gruppe innerhalb der EKR-Fraktion. Und Duda war bisher einer dieser 19 Fraktionskollegen der Alternative für Deutschland.

Praesidentschaftswahl_Polen_2015_Runde_1

Gewinner 1. Runde

Gewinner Stichwahl

Eine Darstellung des Wahlergebnisses auf der Landkarte zeigt Polen zweigeteilt, wobei die Trennung einigermaßen entlang der Grenze zwischen den ehemals deutschen und den ehemals russischen und österreichischen Teilen Polens zu verlaufen scheint. Mit Ausnahmen auf beiden Seiten: die drei größten Städte des Landes, Warschau, Krakow und Lodz, bilden Komorowski-Inseln in Duda-Land, umgekehrt besteht zum Beispiel eine Duda-Insel rund um das niederschlesische Kupferbergbau-Zentrum Lubin (Lüben). Der Drittplatzierte des ersten Wahlgangs (21%), der ehemalige Punkrocker und jetzt (Anti-)Politiker Paweł Kukiz, gewann in seinem Heimatkreis Brzeg (Brieg, Oberschlesien) und schnitt auch bei den im Ausland lebenden Polen überdurchschnittlich gut ab.

Generell scheint die Entscheidung zwischen Komorowski und Duda (bzw. Kukiz) stark damit zu tun zuhaben, ob sich die betreffenden Wähler eher Polen A oder Polen B zurechnen (eine von Kukiz verwendete Bezeichnung), also ob sie vom polnischen Wirtschaftsboom profitiert haben oder eher nicht. Komorowski trat eher als der Wirtschaftsliberale auf, Duda hingegen präsentierte ambitionierte Sozialprogramme, und erhielt entsprechend auch die Unterstützung der Solidarnosc-Gewerkschaft (obwohl Wirtschafts- und Sozialpolitik eigentlich nicht zum Kompetenzbereich des polnischen Präsidenten gehören. Er kann lediglich sein Veto gegen Gesetzesvorhaben einlegen, und hat in der Außen- und Verteidigungspolitik ein Mitspracherecht). Zudem tendierten strenggläubige Katholiken eher zu Duda. Und vor allem nahe der Ostgrenze Polens spielte auch der Ukraine-Konflkt eine Rolle, hier sprach sich Duda für die Stationierung US-amerikanischer Truppen zur Sicherung der Souveränität Polens aus. Vor allem junge Wähler mögen sich von Duda auch frischen Wind für die Politik erhofft haben (Duda ist 43 Jahre alt, Komorowski 62 und Kukiz 51).

Bevölkerungsdichte Polens

Duda schnitt umso besser ab, je weiter man sich von der deutschen Grenze bzw. der Ostsee entfernt, und erzielte auch auf dem Land bessere Werte als in den Großstädten (welche fast alle für Komorowski stimmten. Die größte Pro-Duda-Stadt ist Lublin,  die neuntgrößte Stadt Polens und die größte polnische Stadt welche vollständig östlich der Weichsel liegt). Und da der ehemalige deutsche Teil als Folge der Vertreibungen außerhalb der Großstädte deutlich dünner besiedelt ist als der ehemalige russische und vor allem der ehemalige österreichische Teil (Galizien), spielen die auf dem Land lebenden Wähler hier eine geringere Rolle als im Osten und Süden. Das ehemalige Galizien (die dichtbesiedelteste ländliche Region Polens, ganz im Südosten) gilt auch als besonders traditionell. Der preußisch-deutsche Teil war vor dem 1. Weltkrieg wirtschaftlich und infrastrukturell am weitesten entwickelt (und der russische Teil war in allen Belangen am rückständigsten), der österreichische Teil besaß jedoch die größte Autonomie und somit die lebendigste polnisch-katholische Kultur. Auch das macht sich im Wahlverhalten zugunsten von Duda bemerkbar. Die Bewohner der erst nach 1945 polnisch gewordenen ehemaligen deutschen Gebiete stammen zwar zum Großteil ebenfalls entweder aus Galizien oder aus dem ehemalige russischen Teil Polens (und zwar jeweils aus dem an die Sowjetunion gefallenen Ostteil), die heutige Generation ist jedoch weitestgehend „verwestlicht“ und wählte eher Komorowski.

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2 Gedanken zu „Polen: EKR-Fraktionskollege Andrzej Duda gewinnt Präsidentschaftswahl

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