Europawahl 2014 – wie die Wahlbeteiligung das Ergebnis der AfD auf Länderebene beeinflusste

Bei der Europawahl 2014 erhielt die Alternative für Deutschland 7,0% der Stimmen. Das sind 2,3 Prozentpunkte mehr als zur Bundestagwahl 2013 (4,7%), also eine Steigerung des Stimmanteils um 50%. In absoluten Zahlen sieht die Steigerung nicht ganz so riesig aus. 2013 wählten 2.056.985 Wähler die AfD, 2014 2.065.162. Also wurden netto 8177 Wähler gewonnen, eine Steigerungsrate von nur 0,4%. Dass dies dennoch in einer Steigerung des Stimmanteils um 50% resultierte, ist also der gesunkenen Wahlbeteiligung zuzuschreiben: Während die AfD eben 8177 Wähler mehr mobilisieren konnte, blieben ein Großteil der Wähler der etablierten Parteien ganz zu Hause.

Wie sieht das auf Bundesländer-Ebene aus? Hier ergibt sich ein differenzierteres Bild. Ihren prozentualen Wähleranteil konnte die AfD überall steigern und auch in allen Bundesländern die 5%-Hürde knacken. Aber nur in 6 von 10 Bundesländern wurden auch absolut mehr Wähler gewonnen als zur Bundestagswahl, in den übrigen 10 Ländern hingegen blieben offenbar auch viele AfD-Wähler von 2013 lieber zu Hause oder wählten andere Parteien. Hier die Rangliste nach Stimmanteil:

  1. Sachsen: 10,1%. 3,3 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 48,8%), 4,0% mehr Wähler als zur BTW2013 (6,8%, Platz 1). Spitzenplatz souverän verteidigt.
  2. Hessen: 9,1%. 3,5 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 63,1%), 4,5% weniger Wähler als zur BTW2013 (5,6%, Platz 4). Dank niedriger Wahlbeteiligung (siehe unten) trotzdem Sprung nach vorn in der Rangliste.
  3. Brandenburg: 8,5%. 2,5 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 41,5%), 4,5% weniger Wähler als zur BTW2013 (6,0%, Platz 3). Platz 3 verteidigt.
  4. Bayern: 8,0%. 3,7 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 86,8%), 9,7% mehr Wähler als zur BTW2013 (4,3%, Platz 11). Bayern gelang also die bemerkenswerteste Steigerung sowohl in der absoluten Wählerzahl als auch im Stimmanteil. Die Festung CSU, welche zur Bundestagswahl 2013 der AfD noch im Wege stand, wankte diesmal. Aber die AfD profitierte hier auch von einer besonders großen Wahlmüdigkeit der Wähler etablierter Parteien, siehe unten.
  5. Berlin: 7,9%. 3,0 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 61,3%), 3,9% mehr Wähler als zur BTW2013 (4,9%, Platz 8).
  6. Baden-Württemberg: 7,9%. 2,7 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 51,5%), 4,4% mehr Wähler als zur BTW2013 (5,2%, Platz 6). In der Stadt Pforzheim erzielte die AfD mit 14,5% das beste Ergebnis auf Kreisebene.
  7. Thüringen: 7,4%. 1,2 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 19,9%), 10,6% weniger Wähler als zur BTW2013 (6,2%, Platz 2). Thüringen, 2013 noch neben Sachsen DIE AfD-Hochburg, fällt zurück.
  8. Mecklenburg-Vorpommern: 7,0%. 1,7 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 31,8%), 13,1% weniger Wähler als zur BTW2013 (5,3%, Platz 5). Höchster Wählerverlust aller Bundesländer.
  9. Schleswig-Holstein: 6,8%. 2,4 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 54,7%), 11,3% weniger Wähler als zur BTW2013 (4,4%, Platz 10).
  10. Saarland: 6,8%. 1,6 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 30,5%), 4,0% weniger Wähler als zur BTW2013 (5,2%, Platz 7).
  11. Rheinland-Pfalz: 6,6%. 1,8 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 38,4%), 7,3% mehr Wähler als zur BTW2013 (4,8%, Platz 9). Hoher Wählerzuwachs, aber aufgrund der hohen Wahlbeteiligung (s.u.) fällt RP in der Rangliste ab.
  12. Sachsen-Anhalt: 6,3%. 2,1 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 50,8%), 1,8% mehr Wähler als zur BTW2013 (4,2%, Platz 12). Der Abstand zu den anderen neuen Bundesländern wurde verringert.
  13. Hamburg: 6,0%. 1,9 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 46,7%), 10,7% weniger Wähler als zur BTW2013 (4,1%, Platz 13).
  14. Bremen: 5,8%. 2,1 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 56,5%), 9,0% weniger Wähler als zur BTW2013 (3,7%, Platz 16). Bremen gibt die rote Laterne an Niedersachsen ab (obwohl in Bremen prozentual mehr Wähler verloren wurden).
  15. Nordrhein-Westfalen: 5,4%. 1,5 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 38,0%), 1,0% weniger Wähler als zur BTW2013 (3,9%, Platz 14). Das Ergebnis von 2013 stabilisiert.
  16. Niedersachsen: 5,4%. 1,7 Prozentpunkte mehr (Steigerung um 45,2%), 3,6% weniger Wähler als zur BTW2013 (3,7%, Platz 15). Der Flächenstaat Niedersachsen bleibt ein schwieriges Pflaster.

EU2014_AfDProzent_Wahlbet_LaenderInteressant ist es, den prozentualen Anteil an AfD-Wählern über die Wahlbeteiligung in den jeweiligen Bundesländern aufzutragen (siehe Grafik. In den fett gekennzeicheten Ländern fanden gleichzeitig Kommunalwahlen statt, in Niedersachsen Wahlen der Bürgermeister und Landräte). Eine schwache Antikorrelation zwischen dem Abschneiden der AfD und der Wahlbeteiligung ist erkennbar.

EU2014_BTW2013_diffAfDProzent_diffWahlbet_LaenderDiese wird noch deutlicher wenn man AfD-Prozente und Wahlbeteiligung als Differenz aufträgt. Beispiel Hessen: Hier sank die Wahlbeteiligung zwischen der Bundestagswahl 2103 und der Europawahl 2014 um fast 30 Prozentpunkte. Auch die AfD bekam dies zu spüren, wie oben dargestellt sprangen fast 4,5% der AfD-Wähler von 2013 wieder ab. Aber die etablierten Parteien waren von dieser Wahlmüdigkeit noch stärker betroffen, somit stieg der Stimmanteil der AfD um etwa 3,5 Prozentpunkte, und die hessische AfD schob sich von Platz 4 auf Platz 2 der Länder-Rangliste vor. Umgekehrt fiel Rheinland-Pfalz in der Rangliste sogar zurück, obwohl hier über 7% mehr AfD-Wähler mobilisiert wurden als zur Bundestagswahl. Aber die etablierten Parteien mobilisierten eben auch gut, die Wahlbeteiligung ging im Vergleich zur Bundestagswahl nur um 16 Prozentpunkte zurück und der AfD-Stimmanteil stieg nur um 1,8 Prozentpunkte im Vergleich zur Bundestagswahl). Die Antikorrelation ist allerdings nicht perfekt. Die NRW-AfD zum Beispiel hat ein deutlich schlechteres Ergebnis als das Saarland und Rheinland-Pfalz, wo die Wahlbeteiligung noch höher lag, und auch der Zuwachs fiel im Vergleich zur Abnahme der Wahlbeteiligung unterdurchschnittlich aus. Ähnliches gilt auch für die Stadtstaaten Hamburg und Bremen, überdurchschnittlich hingegen entwickelte sich die AfD in Sachsen.

EU2014_AfDProzent_Wahlbet_KreiseDeutlicher wird die Korrelation auch, wenn man sich das Ergebnis auf Kreisebene anschaut (an dieser Stelle Dank an den  AfD-Kreisverband Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg) der diese Zahlenwerte publiziert hat). Vor allem NRW zeigt doch eine deutliche Antikorrelation zwischen AfD-Ergebnis und Wahlbeteiligung. Auf der einen Seite Top-Ergebnisse in Gelsenkirchen (7,6%) und Duisburg (7,2%), wo nur 44 bzw.42% der Wähler gültig abstimmten. Auf der anderen Seite miese 4,1% in Münster wo aber eben auch über 61% der Wähler sich beteiligten (und die Antikorrelation scheint sich nahtlos nach den wahlmüden Ländern Bayern und Hessen fortzusetzen, also vielleicht ist das NRW-Ergebnis doch nicht so schlecht … zumindest wenn man nicht mit Sachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland oder BaWü vergleicht)

Der deutschlandweit beste Kreis ist die Stadt Pforzheim mit 14,5% (welche nicht nur vom Prozentwert, sondern auch von der Wahlbeteiligung her etwas aus dem BaWü-Rahmen fällt). Auf den Plätzen folgen die Stadt Frankfurt (Oder) in Brandenburg (12,8%) und der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen (12,5%, bei gleichzeitig hoher Wahlbeteiligung von über 52%!). Schlusslicht ist die Grafschaft Bentheim (Niedersachsen) mit 2,8%, nur wenig besser das Emsland (Niedersachsen) mit 3,0% und der Kreis Steinfurt (NRW) mit 3,2%. Alles CDU-Hochburgen mit hoher Wahlbeteiligung.

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3 Gedanken zu „Europawahl 2014 – wie die Wahlbeteiligung das Ergebnis der AfD auf Länderebene beeinflusste

  1. Pingback: Kann die AfD noch 5% oder mehr im Westen? In Düren ja | professorenpartei.de

  2. Pingback: Saarland: AfD nicht überragend aber drin, LKR tot | professorenpartei.de

  3. Pingback: AfD-Wahlergebnisse im Ländervergleich | professorenpartei.de

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