AfD scheiterte an der Ablehnung durch Frauen

Dies erfahren wir aus einem FAZ-Online-Artikel vom 28.01.2014 (in der Printausgabe erschien er am 29.1.) Die Frauen sind schuld. Hätten nur die Männer wählen können, wäre die Alternative für Deutschland jetzt im Bundestag vertreten. Das zeigen die am 28.1.2014 veröffentlichten Ergebnisse der Repräsentativen Wahlstatistik. 

Vorab zur Repräsentativen Wahlstatistik: In repräsentativ ausgewählten Wahlbezirken (laut Gesetz maximal fünf Prozent aller Wahlbezirke, und kein Wahlbezirk mit weniger als 400 Wählern) werden die Stimmzettel gesondert gekennzeichnet, und zwar so dass sie das Geschlecht sowie die Zugehörigkeit zu einer von sechs Altersgruppen erkennen lassen (18-24, 25-34, 35-44, 45-59, 60-69, 70 und älter). Der Wähler muss einen dieser Stimmzettel benutzen (das Wahlgeheimnis bleibt aber trotzdem gewahrt da ja auch in den individuellen Altersgruppen genügend Personen wählen gehen). Die Stimmzettel werden zunächst normal vor Ort ohne Berücksichtigung der Merkmale ausgezählt, dann aber durch die Statistikbehörden nochmals zentral ausgewertet. Zum Schutz des Wahlgeheimnisses werden die statistischen Auswertungen nicht für die einzelnen Wahlbezirke, sondern nur auf Länder- und Bundesebene ausgewiesen.

Was hat diese Repräsentative Wahlstatistik nun ergeben? Die FAZ schreibt:

Wäre es allein nach den Männern gegangen, wäre die AfD heute im Deutschen Bundestag vertreten. Diese wählten im Westen zu 5,5 Prozent die AfD, im Osten zu 7,1 Prozent. Indes fühlten sich Frauen nur zu 3,4 Prozent (West) beziehungsweise 4,7 Prozent (Ost) angesprochen.

Ja, um Frauen zu werben ist nicht einfach, in dem Punkt ist die Politik wie das richtige Leben. Vielleicht sollte die AfD das Thema einmal in einem Männerkreis gemeinam mit der ebenfalls männerlastigen Piratenpartei diskutieren. Überwiegend von Frauen gewählt werden nur CDU und Grüne, vor allem jüngere Frauen scharen sich um letztere.

Und wir erfahren noch mehr: Wem gaben die analysierten AfD-Zweitstimmen-Wähler ihre Erststimme?

Demnach gab in Deutschland etwa jeder fünfte AfD-Wähler seine Erststimme einem Kandidaten der Unionsparteien [Anm.: etwa 23% laut Diagramm]. Für einen SPD-Kandidaten entschieden sich gerade 14 Prozent, für einen Politiker der Linkspartei immerhin neun Prozent. Männer und Frauen unterschieden sich darin nicht so sehr wie die Wähler im Osten von denen im Westen. Im Westen entfielen gerade einmal sechs Prozent der Erststimmen von AfD-Wählern auf einen Kandidaten der Linkspartei, in den neuen Ländern hingegen 19,7 Prozent.

Was natürlich auch daran liegt dass die Linke im Osten viel stärker ist als im Westen, und die Erststimmen-Kandidaten dort häufig auch bekannter sind und teilweise ein Direktmandat gewannen bzw. zumindest eine realistische Chance hatten. Und dann gibt es da noch eine Partei:

Für einen Kandidaten der NPD votierten gar 10,9 Prozent der AfD-Wähler [im Osten].

Für den Westen, und damit dem Bund insgesamt war mangels NPD-Direktkandidaten keine belastbare Angabe möglich (und auch im Osten ist die NPD nicht überall gut aufgestellt). Eine gewisse Rechtslastigkeit eines Teils der AfD-Wähler lässt sich nicht wegdiskutieren, aber dies ist eben nur ein Teil des viel facettenreicheren Gesamtbildes.

30% der AfD-Zweitstimmen-Wähler gaben der AfD auch die Erststimme (die allerdings nicht in jedem Wahlkreis um Erststimmen kandidierte), und praktisch 14% vergaben ihre Erststimme überhaupt nicht oder an Kleinstparteien. Interessant wird es, wenn man ausschließlich die Wähler betrachtet, welche ihre Zweitstimme der AfD und ihre Erststimme einer anderen relevanten Partei gaben. Dann ergibt sich folgendes Bild:

  • CDU/CSU: Bund 40% (46%), West 42% (46%), Ost 30% (42%)
  • SPD: Bund 25% (28%), West 27% (30%), Ost 14% (25%)
  • Linke: Bund 16% (9%), West 11% (10%), Ost 25% (19%)
  • Piraten: Bund 9% (2%), West 8% (3%), Ost 9% (3%)
  • Grüne: Bund 5% (9%), West 6% (6%), Ost 3% (6%)
  • FDP: Bund 5% (5%), West 5% (6%), Ost 3% (3%)
  • NPD: Ost 14% (3%)

Die Werte in Klammern geben zum Vergleich das Abschneiden der jeweiligen Partei bei der Bundestagswahl 2013 an (Prozentzahlen genormt auf die Summe der Zweitstimmen für CDU/CSU, SPD, Linke, Piraten, Grüne, FDP und (nur Ost) NPD). Auffallend ist, sowohl im Westen als auch im Osten, eine Affinität zu den Piraten. Jetzt wissen wir also, wohin die Wähler verschwunden sind, welche die Piraten 2011-12 in vier Länderparlamente brachten (AfD = Piratenpartei 2.0 ?). Ansonsten entsprechen die AfD-Wähler im Westen ziemlich gut dem Durchschnittswähler, selbst die angebliche Intimfeindschaft zu den Grünen bildet sich in der Wählerschaft nicht ab. Im Osten ist ein überproportionaler Hang der AfD-Wähler sowohl nach links als auch nach rechts unverkennbar. Hier muss man sicher auch berücksichtigen, das sowohl die Linke als auch die NPD im Osten profilierter sind als im Westen. Viele Ostdeutsche haben somit auch schon gewisse Erfahrung im Radikal-Wählen, während es für die Masse der westdeutschen AfD-Wähler in dieser Hinsicht sicher das „erste Mal“ war.

Zuletzt vielleicht noch ein Blick auf die Altersstruktur (selbes Diagramm wie die Geschlechterverteilung): Die CDU (nicht aber die CSU!) holte bei den über 70jährigen fast doppelt so viel Prozentpunkte wie bei den 18-25jährigen. Auch bei der SPD steigt der Wähleranteil stark mit dem Alter, sie schneidet aber auch bei der jüngsten Altersgruppe wieder überdurchschnittlich gut ab (es kann also nur wieder aufwärts gehen). Die Piratenpartei wiederum weist die typische Alterspyramide eines Entwicklungslands auf. Und die Alternative für Deutschland? Von einer Schwäche bei der Altersgruppe 70+ abgesehen (nur etwa halb so viel Stimmen wie in der besten Gruppe, den Männern zwischen 35 und 45) ist ihr Wähleranteil in allen Altersgruppen fast identisch. Nur die FDP erscheint noch ausgeglichener. AfD-Wähler kann also praktisch jeder sein.

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3 Gedanken zu „AfD scheiterte an der Ablehnung durch Frauen

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