Willkommen

Hervorgehoben

Willkommen auf professorenpartei.de, einem Blog aus dem Umfeld der Partei Alternative für Deutschland (AfD) und ihrer Abspaltung Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). Auch die europäischen Partnerparteien, mit welchen AfD bzw. ALFA zusammenarbeiten, werden behandelt. Und auch andere Themen kommen immer wieder mal vor.

Zu den europäischen Partnerparteien: Die sieben für die AfD-gewählten Europaabgeordneten gehörten ursprünglich zur Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) des Europäischen Parlaments (die Fraktion wird hier umfassend vorgestellt). Beatrix von Storch (AfD) wechselte am 8.4.16 zur Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD). Marcus Pretzell (AfD) wurde am 12.4.16 aus der EKR ausgeschlossen und ist jetzt Mitglied der Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF). Die fünf Überläufer zu ALFA sind nach wie vor EKR-Mitglieder, und ALFA selbst gehört seit dem 18.03.2016 auch zur zugehörigen Europapartei Allianz der Europäischen Konservativen und Reformer (AECR).

Beiträge in diesem Blog geben ausschließlich die persönliche Meinung der Verfasser wieder (d.h. es ist keine offizielle Seite der AfD oder der ALFA). An dieser Stelle auch gleich eine Bitte um Entschuldigung für manchmal etwas infrequente Beiträge.

Zinsen und Vertrauen im Osmanischen Reich

Christen und Juden zahlten in Istanbul im 17. und 18. Jahrhundert etwa 2 Prozentpunkte weniger Zinsen für Kredite als Muslime. Dieses Ergebnis einer Analyse der Akten verschiedener Istanbuler Gerichtshöfe für den Zeitraum 1602-1799 wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit von Timur Kuran und Jared Rubin im März 2016 publiziert. Konkret ging es dabei um Verträge zwischen natürlichen Personen (juristische Personen kennt das islamische Recht nicht), welche vor Gericht registriert wurden, damit der Gläubiger später einen Beweis hatte. Dabei kam Folgendes heraus: Muslime, welche sich bei einem Glaubensbruder Geld liehen, zahlten durchschnittlich etwa 14% Nominalzins (entsprach im Durchschnitt 20% Realzins). Nicht-Muslime hingegen bekamen schon für 12% Nominalzins ähnliche Kredite von muslimischen Geldverleihern eingeräumt. Aber nicht nur bei der Religion gab es Unterschiede, sondern auch beim Geschlecht: Waren beide Vertragspartner männlich, lagen die Zinsen durchschnittlich bei 14% Nominalzins. Frauen hingegen wurden von männlichen Geldverleihern schon für 12% Nominalzins bedient.

Auf den ersten Blick sieht dies ganz toll aus für Christen, Juden und Frauen. Auf den zweiten Blick wirft es jedoch ein Schlaglicht auf die Beziehungen zwischen islamischem Recht und Ökonomie, wie auch in diesem Artikel von Timur Karun, einem der beiden Studien-Autoren, auf qantara.de gut erklärt wird. Oft wird ja behauptet, Weiterlesen

ALFA vs AfD im Wahl-O-Mat Berlin (in MeckPomm leider nicht)

Die nächsten Landtagswahlen werfen ihre Schatten voraus, auch der Wahl-O-Mat ist wieder da. Leider nur in Berlin. Denn in Mecklenburg-Vorpommern, wo am 4. September 2016 gewählt wird, boykottierten SPD und CDU den Wahl-O-Mat, weil dieser „zu sehr vereinfache“. Wie die ZEIT vom 3. August 2016 feststellt, hindert dies die SPD aber nicht daran, inhaltsleere Plakate mit dem Konterfei von Ministerpräsident Erwin Sellering und dem Slogan „SPD – gemeinsam auf Kurs“ aufzuhängen. Und auch der Koalitionspartner CDU dürfte wohl eher nicht sein komplettes Wahlprogramm auf die Plakate drucken. Es hat wohl mehr mit der Angst vor AfD und NPD zu tun. Die AfD hat ja durchaus alle Chancen, in MeckPomm ihr Rekordergebnis von Sachsen-Anhalt vom 13. März 2016 (24,3%, zweitstärkste Partei) noch einmal zu überbieten und damit eine Fortsetzung der SPD-CDU-Koalition rechnerisch unmöglich zu machen (der absolute Albtraum wäre wohl eine rechnerische Mehrheit von AfD und Linken). Für die NPD wiederum ist der Schweriner Landtag (2011 6,0%) ihre einzige verbliebene Bastion und damit wohl auch ihre Haupt-Einnahmequelle. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die AfD die NPD dort auch rauskegelt (wie schon in Sachsen 2014), aber sie dürfte auch diesmal nicht mit Dankschreiben der Bündnisse gegen Rechts überhäuft werden.

In Berlin, wo zwei Wochen später am 18. September gewählt wird, sehen die SPD um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und ihr Koalitionspartner CDU die Dinge offenbar gelassener. Hier gibt es also den Wahl-O-Mat mit 38 Fragen, welche die an der Wahl teilnehmenden Parteien mit Ja, Nein und Unentschieden beantwortet haben. Die Fragen wurden so gewählt, dass zum einen alle für die jeweilige Wahl relevanten Themen abgedeckt sind, sich andererseits aber auch für jede Partei eine einzigartige Antwort-Kombination ergibt. Und der Nutzer der Wahl-O-Mat-Webseite kann nun diese Fragen selbst durchklicken und für sich beantworten, und dann am Ende vergleichen, mit welcher Partei die eigene Meinung am ehesten übereinstimmt (da einige Fragen eher Randthemen betreffen, hat der Nutzer die Möglichkeit, bestimmte Fragen höher oder niedriger zu gewichten). Wie schon zu den Landtagswahlen am 13. März 2016 ist dies auch wieder eine Gelegenheit zum Direktvergleich der Alternative für Deutschland mit ihrer Abspaltung ALFA: Wo stimmen sie überein, wo gehen sie inhaltlich auseinander?

Für die Abgeordnetenhauswahlen am 13. März 2016 ergibt sich beim Direktvergleich ALFA-AfD folgendes Bild Weiterlesen

Die türkische Regierung fordert …

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

So steht es im Artikel 8 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Nicht-Deutsche haben in Deutschland also keinen verfassungsmäßigen Anspruch auf das Versammlungsrecht (was nicht heißt dass sie sich nicht versammeln dürften, aber sie müssen schon höflich anfragen). Und schon gar nicht hat Recep Tayyip Erdoğan irgendeinen Rechtsanspruch darauf, als ausländisches Staatsoberhaupt eine Großversammlung auf deutschem Boden zu adressieren, sei es in persona oder per Video-Leinwand. Da kann die türkische Regierung noch so sehr meinen, dass Deutschland gegenüber der Türkei die Begriffe Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte und Freiheit nicht mehr in den Mund nehmen sollte. Hinsichtlich der türkischen Forderung nach einer „vernünftigen Erklärung“ für die Verweigerung der Erdoğan-Liveschaltung muss man der türkischen Seite aber punktuell Recht geben: Deutschland sollte sich hier in der Tat mal eine vernünftige Erklärung einfallen lassen (sprich eine generelle Regelung hinsichtlich öffentlichen Auftritte ausländischer Regierungsvertreter auf Großveranstaltungen, oder auch nicht-deutscher Redebeiträge auf Großdemos überhaupt, treffen) anstatt auf Ausreden wie die Furcht vor einem Gewaltausbruch zurückzugreifen.

Deutschland könnte sich etwa ein Beispiel an Dänemark nehmen: Ein Aufmarsch unter dem Halbmond wäre dort wohl nicht möglich. In Dänemark geraten schon nichtsahnende deutsche Urlauber in Konflikt mit dem Gesetz, Weiterlesen

BaWü: Ausgesessen

Selbst falls die AfD jetzt durch einen magischen Trick auf einmal verschwinden sollte, bliebe von ihr in jedem Fall eins: Einige Regeln der deutschen Demokratie mussten neu geschrieben werden, weil die AfD diverse Gesetzeslücken geschickt genutzt hat. Eine andere Partei, welche sich tatsächlich auf die Fahnen geschrieben hat, die Demokratie neu zu erfinden, wird wohl hingegen demnächst ohne bleibende Spuren verschwinden (die Piratenpartei nämlich). Aber zurück zur AfD: Da war die Idee, als neue Partei an mehr Gelder aus der staatlichen Parteienfinanzierung zu bekommen, indem man einfach Gold verkauft. Das funktioniert mittlerweile nicht mehr, aufgrund gestiegener Mitgliederzahl und Spendenaufkommen sowie der Präsenz in mittlerweile 8 Landesparlamenten ist die Partei aber auch nicht mehr so sehr darauf angewiesen. Und jetzt hat die AfD zwei Fraktionen im Landtag von Baden-Württemberg. Die anderen Parteien waren verwundert bis entsetzt über das Ansinnen der Meutherer-Gruppe, sich zur vollwertigen Fraktion Alternative für Baden -Württemberg (ABW) zu erklären, das Landtagspräsidium beauftragte ein Gutachten, aber das Ergebnis war eindeutig: 6 oder mehr Freunde müssen es sein und der selben Partei angehören, dann ist es nach gegenwärtigen Regeln eine Fraktion mit allen ihr zustehenden Rechten. Die Regeln können gern geändert werden – aber erst vor der Konstituierung des nächsten Landtags (und das wird wohl auch geschehen, also hier wird es eine Lex AfD geben). Sofern die AfD nicht von sich aus eine Änderung bewirkt, muss der Landtag wohl bis zum Ende der Legislaturperiode mit der laut SPD-Fraktionschef Andreas Stoch „politisch schier unerträglichen Situation“ leben, dass die Steuerzahler nun mit viel Geld zwei Fraktionen aus AfD-Mitgliedern bezahlen müssen. Naja, im Vergleich zu Stuttgart21 ist das Peanuts, Angst haben die etablierten Parteien wohl eher vor einer anderen möglichen Situation: Auf Antrag von zwei Fraktionen muss der Landtag einen Untersuchungsausschuss einrichten. D.h. die AfD bräuchte jetzt keine Unterstützung einer zweiten Partei mehr für ein solches Ansinnen. Und in diese komfortable Situation kam die AfD nur, weil 8 ihrer Abgeordneten partout nicht von einem Abgeordneten mit antisemitischen Allüren lassen konnten. In der Tat, das ist etwas schwer verdaulich.

Die Geldfrage ist also geklärt, Fraktionsgelder fließen nun sowohl bei der Ur-Fraktion als auch bei der Meutherer-ABW. Jetzt könnte man zwar noch über Symbole streiten, es scheint bei der AfD aber momentan niemand gesteigerte Lust zu haben, der jeweils anderen Fraktion etwa ihren Namen streitig zu machen. Man kann sich also zurücklehnen. Frauke Petry ist in Sachen Aussitzen wohl sowieso die Angela Merkel der AfD, aber auch Jörg Meuthen scheint nicht der Mann für den Dolchstoß zu sein, Weiterlesen

Der Putsch aus dem Lehrbuch von 1980

Es ist vielleicht die größte Ironie des gescheiterten Putsches, dass ausgerechnet Erdoğan nur noch über sein iPhone kommunizieren konnte und er allein über soziale Netzwerke seine Anhänger erreichte. Denn Erdoğan selbst wettert sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die sozialen Netzwerke, lässt zu nichtigen Anlässen YouTube, Twitter oder Facebook sperren. … im Wahlkampf 2014 hatte Erdoğan mehrfach geschworen, er wolle den Einfluss fremder Mächte über die sozialen Netzwerke unterbinden.

Damit hat es die Welt vom 16.7.2016 auf den Punkt gebracht. Ja, es ist ironisch (und eine gute Werbung für die Firma mit dem angebissenen Obst). Es dürfte aber Erdoğans Haltung gegenüber sozialen Netzwerken eher gestärkt haben. Denn was ihm heute nutzte, kann sich morgen schon gegen ihn wenden. Die ägyptischen Militärs haben es 2013 ja bewiesen, dass man auch im Zeitalter der sozialen Medien noch erfolgreich putschen kann – wenn die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung entsprechend ist. Also besser die Kontrolle behalten über die Medienvielfalt. Vom Internet über Radio und TV bis zum Minarett-Lautsprecher. Auch diese spielten in jeder Schicksalsnacht eine entscheidende Rolle. Die meisten Moscheen in den Städten nutzen den zentralen Muezzin, dessen Ruf per Funksignal an sämtliche Minarette gesendet wird. Man kann aber ebensogut einen Aufruf zur Demonstration gegen die Putschisten von allen Minaretten einer Stadt simultan ausrufen lassen (oder einfach Volksmusik  – diesen Spaß haben sich Hacker schon erlaubt).

Nach wie vor herrschen Rätselraten und Spekulationen über Hintermänner und Motive des Putsches. Man kann einige Motive vermuten, welche vor allem Militärs am Herzen liegen. Etwa Weiterlesen

Erdoğans Reichstagsbrand

Da rieb man sich doch am Freitagabend überrascht die Augen: Panzer und Düsenjets im Einsatz in Istanbul und Ankara?! Ist das ein schlechter Film, übertreiben es die Türken mit Pokemon Go (Anm.: In der Türkei wurde das Spiel noch nicht freigeschaltet)?  Glaubten die Anführer tatsächlich, die komplette Türkei unter ihre Kontrolle bringen zu können, indem sie ein wenig Chaos anrichten und im besetzten Sender TRT eine nichtssagende Resolution durch eine Fernsehmoderatorin verlesen zu lassen? Während von den Anführern des Putsches selbst niemand sein Gesicht zeigte? Die Putschisten waren niemals auch nur annähernd in der Lage, die Kommunikationsstrukturen von Präsident, Regierung, den politischen Parteien sowie schließlich der Polizei und loyal gebliebener Teile des Militärs wirksam zu stören. Wähnten sich die türkischen Putschisten etwa noch im Jahr 1980? Damals kam den Militärs zudem (neben der Nichtexistenz von Internet und Mobiltelefonen) die politische und wirtschaftliche Instabilität zugute – also eine Situation in welcher ein Großteil der Türken einer Machtübernahme der Militärs indifferent oder gar wohlwollend gegenüberstand. Das ist diesmal anders. Wirtschaftlich geht es der Türkei so gut wie nie, und der starke Mann Erdoğan ist beliebt bei der Mehrheit der Bevölkerung (und die Bevölkerung ist um mehr als 75% größer als 1980). Und in der Tat wiederholten sich am Ende die Bilder, welche man vom Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 oder auch vom Putsch gegen Hugo Chávez im April 2002 kennt: die Putschisten standen letztendlich vor der Wahl, auf jede Menge unbewaffnete Demonstranten zu schießen oder aufzugeben Und beides geschah, zudem gibt es auch Berichte über Lynchjustiz an Soldaten. Die mehrheitlich vermutlich gar nicht wussten, warum sie etwa zum Absperren der Bosporus-Brücken abkommandiert wurden.

Irgendwie scheint dem Putsch immer noch jeglicher Sinn zu fehlen – eine bessere Vorlage für Verschwörungstheorien ließe sich kaum finden. Weiterlesen